Auch Schnäppchen liegen noch drin

LUCERNE FESTIVAL ⋅ Am Freitag wird die 79. Ausgabe des Sommerfestivals eröffnet. Derzeit liegt die Auslastung bei achtzig Prozent. Helmut Bachmann, Marketing-Leiter, erläutert die Zahlen. Und hat einige Tipps parat.
08. August 2017, 04:38

Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Wer meint, dass das Lucerne Festival eine hermetisch abgeschirmte Abfolge unbezahlbarer Konzerte sei, liegt falsch. Nicht nur finden jährlich zahlreiche kostenlose Veranstaltungen wie die «40min»-Reihe statt. Für Helmut Bachmann gehört es auch zur Strategie, die günstigsten Konzertkarten so breit wie möglich zu streuen. Seit drei Jahren gibt es keine Abonnemente in den beiden erschwinglichsten Kategorien mehr: «Das bietet uns die Möglichkeit, Tausende von einzelnen Tickets im günstigen Bereich anzubieten.»

Deshalb sind für diverse hochkarätige Konzerte noch immer Karten für dreissig Franken verfügbar. So zum Beispiel am 14. August für die Festival Strings mit Sir James Galway oder für die Klavierrezitals von Maurizio Pollini (21. August) und András Schiff (3. September). «Leider haben wir das Image der überteuerten Karten immer noch. Zwar machen die Ticketeinnahmen die Hälfte unseres Budgets aus. Uns ist es aber enorm wichtig, das Festival mehr und mehr zu öffnen.»

Mehr Kunden haben günstige Tickets gekauft

Die Massnahme scheint zu greifen, wenn man die Zahlen interpretiert: Eine knappe Woche vor Festivalbeginn machen Individualkunden im Vorverkauf knapp acht Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr aus, wobei der Umsatz nur knapp zwei Prozent höher ist. Die Anzahl der Kunden stieg also stärker als der Umsatz. «Das bedeutet, dass mehr Kunden günstige Tickets gekauft haben», weiss Bachmann. Und er empfiehlt regelmässige Besuche auf der Festival-Homepage, wo sämtliche verfügbaren Kategorien aktuell einsehbar sind.

Ausverkauft sind, salopp gesagt, die «üblichen Verdächtigen»: beide Konzerte mit der Tastenlöwin Martha Argerich, das Gastspiel der Weltstargeigerin Anne-Sophie Mutter, die Wiener Philharmoniker mit dem Pianisten Emmanuel Ax und die Berliner Philharmoniker mit Simon ­Rattle – aber bislang nur eines von beiden. Rattle, der heuer zum letzten Mal in Luzern als Chef der Berliner gastiert, füllt den 31. August mit zwei SchostakowitschSinfonien. Dieses Konzert ist ausverkauft, nicht aber jenes am 30. August, wo Haydns «Schöpfung» mit einer Schweizer Erstaufführung von Georg Friedrich Haas kombiniert wird.

Musikalische Moderne als Geheimtipps

Liegt das tatsächlich an der Neuen Musik im Programm? Denn eine ähnliche Situation ist auch am 4. September beim Concertgebouw-Orchester und Daniele Gatti zu beobachten: Gatti dirigiert Werke von Anton Bruckner und Wolfgang Rihm – und fünf von sechs Ticketkategorien sind nach wie vor verfügbar. Genau diese beiden Konzerte sind die Tipps des Marketing-Chefs: «Ich empfehle sie sehr. Das sind bereichernde Erlebnisse. Wir haben uns als Festival auch der musikalischen Moderne verschrieben.» Eine Plattform für die Moderne zu bieten, sei für die Entwicklung der klassischen Musik eminent wichtig.

Dazu passt ein weiteres Konzerthighlight: Am 20. August diri­giert Heinz Holliger die Lucerne Festival Academy mit Artiste étoile Patricia Kopatchinskaja als Solistin. «Generell öffnen wir bei Konzerten mit Neuer Musik nicht den ganzen Saal», meint Bachmann. Er ist dennoch zufrieden: Bei gut tausend verfügbaren Tickets sind schon weit über sechshundert Stück verkauft – und das, obwohl das Konzert bereits um 10.30 Uhr, also quasi in den frühen Morgenstunden, beginnt.


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