Blues-Impro als Zugabe

KONZERT ⋅ Sie ist eine Art Verkörperung des Prototyps der jungen klassischen Musikerin. Die Cellistin Isabel Gehweiler ist künstlerisch auf vielen Feldern zu Hause. Dies zeigt sich einerseits am Mittwochabend im Neubad, wo sie am Konzert des Campus-Orchesters Luzern als Zugabe einen Blues improvisiert.
13. April 2018, 08:02

Der Wechsel vom 1. Cellokonzert von Schostakowitsch hin zu freieren Klängen bereitet ihr keine Probleme. Diese Vielseitigkeit markiert sie aber auch in ihren anderen Projekten. Aktuell musiziert und schauspielert sie in einem Theater von Christoph Marthaler. Dieser hat sie in einem Konzert über Bach gehört und war so begeistert von ihrer Bühnenpräsenz, dass er sie auf der Stelle engagierte, nach Hamburg ans Deutsche Schauspielhaus.

Der Irrsinn Stalins

Im Konzert von Schostakowitsch überzeugt die Cellistin im Neubad musikalisch. Sie spielt den ersten Satz selbstbewusst, bestimmt, mit Feuer und Energie. Selbst die langen Aushalter klingen energisch, kriegerisch gar. Die Diktion ist voll im Ton, jederzeit klar. Intensiv zeichnet sie Stalins Irrsinn in der langen Kadenz.

Das Campus-Orchester Luzern blüht – vor allem im ersten Satz – in der Begleitung richtiggehend auf, spielt prägnant, schlank und akzentreich. Am Anfang des Konzertes in «Die Moldau» von Bedrich Smetana gibt es noch Schwierigkeiten mit Intonation und Präzision. Auch ist die Akustik des Neubades mässig geeignet für grössere Ensembles, vieles verschwimmt, wird unklar. Überzeugend interpretieren die Musiker dann jedoch unter der Leitung von Michael Koeck das musikalische Märchen «Peter und der Wolf» von Sergei Prokofjew. Der Flötist brilliert mit seinem virtuosen Vogelgezwitscher, die Klarinette spielt samten und witzig das Schleichen der Katze, dramatisch gelingt die Zuspitzung des Orchesters, als der Wolf die Ente frisst. (kue)


Anzeige: