«Blues umfasst Licht und Schatten»

LUCERNE BLUES FESTIVAL ⋅ Annika Chambers hat den Blues während ihrer Armeezeit im Kosovo entdeckt. Die junge Sängerin steht vor einer hoffnungsvollen Blues-Karriere.
12. November 2017, 08:58

Interview: Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Die 32-jährige Texanerin Annika Chambers ist am diesjährigen Lucerne Blues Festival stark präsent. Gestern Abend hat sie an der Valiant Charity Night das 23. Lucerne Blues Festival eröffnet, heute tritt sie im Hotel Seeburg am Blues-Brunch auf, am Montag ist sie an der Kantonsschule Reussbühl bei «Blues at School» zu Gast, und am Donnerstag steht sie mit der Igor Prado Band auf der Festivalbühne im Casino Luzern. Wir trafen die Sängerin zum Interview, bevor sie dann den Bluesfans im Hotel Schweizerhof Luzern einheizte.

Annika Chambers, Sie haben sieben Jahre in der Armee Dienst geleistet. Hat dies Ihre Karriere beeinflusst?

Ich habe in der Armee den Blues entdeckt und überhaupt die Freude, aufzutreten und die Leute zu unterhalten. Das war im Kosovo. Nach einer Talentshow kam der Gitarrist zu mir und meinte, ich müsse unbedingt Blues singen. Am andern Tag sassen wir draussen zusammen, er spielte Gitarre. Mein erster Blues-Song war «Love Me Like A Man» von Bonnie Raitt. Ich begann, mich intensiv mit der Musik auseinanderzusetzen und habe mich komplett in den Blues verliebt. Und jetzt bin ich hier!

Wussten Sie denn vorher gar nichts vom Blues?

Ich bin mit meinen Grosseltern aufgewachsen und habe schon als Kind Gospel gesungen. Meine Grossmutter war sehr streng. Zu Hause gab es nur Gospel. Erst mit 18 Jahren konnte ich meine Flügel etwas ausbreiten und herausfinden, was es auch noch gibt.

Sie gingen dann direkt in die Armee, waren in Bagdad und im Kosovo stationiert. Was hat Sie dazu bewogen?

Schon während der High School war ich in eine Art militärische Organisation involviert. Ich liebte die Disziplin, die Teamarbeit, die Kameradschaft. So war es ein logischer Schritt, dass ich später zur Armee ging. Ich wollte meinem Land dienen und in die Stapfen meines Grossvaters treten, der in Vietnam stationiert war.

Was gibt Ihnen der Blues?

Wie der Gospel ist der Blues ein Ausdruck für den Kampf der schwarzen Bevölkerung, ihre Kultur leben zu können. Der Blues hilft mir, meine Geschichte zu teilen mit all den Frauen und Männern, die schon vor mir waren und ihre Geschichte teilten. Der Blues ist ein tiefes Gefühl, das alles umfasst, Gutes und Schlechtes, Licht und Schatten. Mit dem Blues kann ich die Leute mit der Liebe in meinem Herzen verbinden. Das ist das Schönste.

Wie würden Sie Ihre eigene Art von Blues charakterisieren?

Ungeschminkt, seelenvoll, energetisch, handfest. Die Energie ist hoch. Eine Art Mischung aus Tina Turner und James Brown, mit der Beseeltheit von Etta James.

Sie treten mit der brasilianischen Igor Prado Blues Band auf: Was schätzen Sie an diesen Musikern?

Ich spüre ihre Liebe zum amerikanischen Blues. Sie spielen ex­trem gut und energetisch, sie lieben die Show und schauen gut aus auf der Bühne. Vor allem spielen Sie nicht einfach Standardblues, sondern meine Mischung aus Blues, Soul und Gospel. Sie helfen mir, das auszudrücken, was ich am meisten bin.

Das klingt vielversprechend.

Ich bin sicher, es wird die Leute aus den Socken hauen (lacht).

Wie ist es, als Frau im Blues-Business zu sein?

Oh, Mann, mal besser, mal schlechter. Ich setze ein Statement für die Frauen und zeige ihnen, dass auch wir unseren Platz haben in diesem Business. Es ist nicht immer leicht. In der Regel bist du das Girl mit der Band.

Wie lebt es sich in den USA mit dem neuen Präsidenten?

Mit seiner Hassbotschaft lernen die Amerikaner und Amerikanerinnen zu erkennen, wo sie stehen, die Fronten sind wieder klar. Trump ist sicher nicht positiv für Amerika. Seine Botschaft ist deutlich: Er trennt die Menschen voneinander. Mit ihm werden wir 50 Jahre zurückgeworfen, dabei sollten wir doch vorwärtsgehen.

Luzern ist die letzte Station Ihrer diesjährigen Tour. Was sind Ihre nächsten Pläne?

Ich werde nochmals in die Schule gehen und eine musikalische Ausbildung beginnen. Ich möchte Piano spielen und werde mich auch im Musikbusiness weiterbilden. Dann werde ich das dritte Album vorbereiten. Da nehme ich mir bewusst Zeit. Denn ich will, dass die Leute mich auch als Songwriterin wahrnehmen.

Hinweis

Annika Chambers tritt am Donnerstag um 21.45 Uhr im Casino auf. Infos: www.bluesfestival.ch


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