Wie das Reh Bambi als Hirsch zum Star wurde

DISNEY-KLASSIKER ⋅ Heute vor genau 75 Jahren, am 8. August 1942, feierte der traurig-schöne Zeichentrick-Klassiker «Bambi» Weltpremiere in London. Bis heute vergiessen grosse und kleine Kinder Tränen, wenn Bambis Mutter von Jägern erschossen wird.
08. August 2017, 04:38

Vor der Premiere hatte es fünf lange Jahre gedauert, bis der perfektionistische Walt Disney mit seinem Kunstwerk zufrieden war. Die Weltpremiere in London ging dann eher versteckt über die Bühne, weil das Studio den Unmut der amerikanischen Jäger fürchtete. Denn die Botschaft des Films ist klar: Der Mensch ist der grösste Feind der Natur.

Unwiderstehliche Niedlichkeit

Gegen Bambis weit aufgerissene Kinderkulleraugen und seinen niedlichen Gesichtsausdruck hatten die Jäger mit ihrer Anti-Bambi-Kampagne keine Chance. Begleitet vom vorlauten Kaninchen Klopfer und dem schüchternen Stinktier Blume entdeckt das Reh die Wunder und Herausforderungen der Natur, bis es zum König des Waldes heranwächst.

Nach seinem Erfolg mit dem Zeichentrickfilm «Schneewittchen und die sieben Zwerge» erwarb Walt Disney die Rechte für den Bambi-Roman des österreichischen Schriftstellers Felix Salten (1869–1945). Er sah die Lebensgeschichte des jungen Rehs als Chance, das Genre des Zeichentrickfilms neu zu erfinden: Bambi sollte sich so natürlich wie möglich bewegen, anstatt als reine Tierkarikatur zu erscheinen.

Zoologisch unkorrekt – und zunächst erfolglos

In den USA gibt es keine Rehe, daher verwandelte Disney sie im Film kurzerhand in Weisswedelhirsche. Bei der deutschen Synchronisation wurde aus dem Hirschkalb Bambi wieder ein Rehkitz wie im Buch.

Damit die Animateure realistische Bewegungen studieren konnten, brachte Walt Disney Hirschkühe und andere Wildtiere in einem abgezäunten Bereich hinter dem Studio unter. Er schickte Kamerateams in Wälder, um Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.

Doch der Schuss ging nach hinten los. Das Publikum vermisste die Märchenelemente, für die das Studio so bekannt geworden war. Der Kritiker der «New York Times» warnte nach der Premiere 1942: «Auf seiner Suche nach Perfektion kommt Mr. Disney dem gefährlich nahe, die ganze Zeichentrick-Fantasiewelt wegzuwerfen.» «Bambi» spielte die Produktionskosten erst ein, als der Film nach dem Krieg erneut herausgebracht wurde – ein alter Disney-Trick, der oft gewirkt hat: Seither hat der Klassiker dem Studio über 250 Millionen Dollar eingebracht. (dpa)

Video: Bambi - Trailer

(youtube.com, 08.08.2017)




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