Der Blues ist noch lange nicht tot

23. LUCERNE BLUES FESTIVAL ⋅ Alte und junge Blueser – das Lucerne Blues Festival weiss, was es bietet: Sängerin Annika Chambers, Terrance Simien, vielseitiger Zydeco-Künstler, und jede Menge elektrisierender Gitarren.
30. Oktober 2017, 05:30

Dieses Jahr ist es Annika Chambers, die im Hotel Schweizerhof, Luzern, an der Valiant Charity Night das Lucerne Blues Festival eröffnet und auch nachher noch auf diversen Bühnen auftreten wird. Die 32-jährige Sängerin aus Houston, Texas, ist mit Gospel aufgewachsen. Den Blues entdeckte sie während ihres siebenjährigen Militärdienstes. Ihr Debütalbum erschien 2014. An den Luzerner Auftritten wird die Soul-Blueserin von der Igor Prado Band aus Brasilien begleitet, die schon 2010 mit Lynwood Slim und Kid Ramos im Casino Luzern gefeiert wurde.

Vom Rapper zum Blues-Harper

Zu den vergleichsweise jungen Musikern, die sich dem Blues verschrieben haben, gehören auch Grady Champion (48) und Robert Kimbrough Sr. Grady Champion war zunächst als Rapper, Boxer und DJ bekannt, bevor er dann doch noch «auf den richtigen Weg kam», wie Blues-Festival-Präsident Martin «Kari» Bründler grinsend bemerkt. Grady lernte Blues-Harp spielen, bevor er 1998 sein erstes Album «Goin’ Back Home» veröffentlichte.

Robert Kimbrough Sr. stammt – wie die bärbeissigen T. Model Ford oder R. L. Burnside – aus dem Mississippi Hill Country und ist der Sohn des bekannten Robert Kimbrough Junior (1930–1998). Dieser hatte gesagt: «Sie spielen die andere Art Blues, und ich spiele Cotton Patch Blues … Es gibt heute niemanden, der den Blues spielen kann, den ich spiele.»

Vom Cotton Patch Blues ist auch sein Sohn infiziert: «Eine Mischung zwischen Bluegrass und Delta Blues, mit eher unüblichen, innovativen und freien Blues-Strukturen», wie Charlie Feathers den Stil definierte. Es ist ein archaischer und scheppernder Blues, auf den sich auch Artistic Director Daniel Mebold freut: «Kimbrough wird mit seiner Musik das Casino in einen Juke Joint verwandeln.»

Backing Band aus Texas

Die Eastside Kings aus Austin, Texas, sind eine Backing Band, zu der unter anderen Eddy Stout gehört, Produzent und Gründer des Blues-Labels Dialtone. Am Lucerne Blues Festival sind die Eastside Kings gleich für zwei Acts gebucht: Sie begleiten die von Freddie King geprägte Gitarristin Cookie McGee und den Harpisten und Showman Birdlegg, der von Sonny Boy Williamson und Sonny Terry beeinflusst ist. Zum andern stehen die Eastside Kings mit dem Gitarristen Classie Ballou auf der Bühne, der auch im Swamp Blues, Soul und Rhythm & Blues zu Hause ist und Bandleader von Big Joe Turner war.

Ebenfalls aus Texas stammt der famose Gitarrist Anson Funderburgh, der am Lucerne Blues Festival schon mehrmals auftrat und zusammen mit Sam Myers für «eine absolute Sternstunde» gesorgt hatte, wie sich Ehrenpräsident Guido Schmidt erinnert. Diesmal stehen Anson Funderburgh & The Rockets mit Big Joe Maher auf der Casino-Bühne. Maher ist einer der wenigen Schlagzeuger, die auch singen. Er hat mit Otis Rush, Duke Robillard und anderen Legenden gespielt und stand schon lange auf der Lucerne-Blues-Wunschliste.

Traum für jeden Gitarristen

Zu den Gitarrenmeistern des Blues gehört auch Kid Ramos, der unter anderem mit den Fabulous Thunderbirds tourte. Er ist ein Vertreter des (rockigen) West Coast Blues und laut Mebold «ein Traum für jeden Gitarristen». Aus Chicago kommt mit Monster Mike Welch ein anderer Klassegitarrist. Er spannte 2016 am Chicago Festival für einen Otis Rush Tribute mit dem Harper und Sänger Mike Ledbetter zusammen und ist nun in diesem Duo auch in Luzern zu hören. Ein ausgezeichneter Gitarrist ist schliesslich Tom Holland, der mit dem Harper Omar Coleman und den Shuffle Kings den Chicago Blues hochleben lässt.

Eröffnet werden die drei Festivalabende im Casino vom Akustik-Blueser und Storyteller Doug McLeod, der vor vierzehn Jahren schon auf der gleichen Bühne das Publikum unterhalten hat. Ebenfalls zum zweiten Mal in Luzern ist der Zydeco-Musiker Terrance Simien, «der Mann mit dem Holzhut». Neben Buckwheat Zydeco hat Simien bisher die beste Zydeco-Show geboten. In Luzern wird er mit seiner Tochter Marcella (Titelbild PD) auftreten. Aufgrund seiner vielseitigen Zydeco-Mixtur werden auch eingefleischtere Blueser auf ihre Rechnung kommen.

Memphis-Soul der Topklasse

Für Denise LaSalle, die aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, konnten die Veranstalter Don Bryant featuring The Bo-Keys gewinnen. Der 75-jährige Bryant, der mit Ann Peebles verheiratet ist und dieses Jahr mit dem eindringlichen Album «Don’t Give Up On Love» sein Comeback einläutete, bringt nichts anderes als «Memphis-Soul der Topklasse», um es in Daniel Mebolds Worten zu sagen.
Pirmin Bossart

Die Luzernerin und die Irländer

Blues in unterschiedlichsten Facetten mit Einflüssen von Texas Blues, Rock und Country serviert die Luzernerin Estella Benedetti. Die Sängerin wird vom Gitarristen Michael G und ihrer Band begleitet und steht als Siegerin der Swiss Promo Night auf der Blues-Festival-Bühne. Ihre aktuelle Scheibe «That Was Smokin’» wurde in Los Angeles mit den Studiocracks John J. R. Robinson (Michael Jackson), Neil Stubenhaus (Joe Cocker) und Randy Kerber (Ray Charles) aufgenommen.

Die einzige andere Band aus Europa am Lucerne Blues Festival ist die Kaz Hawkins Band. Die Nordiren haben den European Blues Contest gewonnen und sich damit das Ticket für Luzern ergattert.

pb

HINWEIS

Sa, 11., bis So, 19. November, Casino, Luzern; www.bluesfestival.ch


Leserkommentare

Anzeige: