Der Entertainer des Blues

ALBUM ⋅ Mit «I’ll be around» hat der Schweizer Bluesmusiker Philipp Fankhauser sein 15. Werk vorgelegt. Aufgenommen hat er es in den USA, in Mississippi.
02. Dezember 2017, 08:24

Pirmin Bossart

Beginnen wir am Schluss des Albums, das mit «Circumstances» sanft ausklingt. Das Stück dauert neun Minuten. Gemächlich und gelassen schraubt es sich voran, sehr entspannt, sehr unspektakulär, würdevoll. Es passiert nicht viel. Aber eine Nachhaltigkeit wird aufgebaut, wie sie andere Stücke auf dem neuen Album in dieser schlichten Intensität nicht erreichen.

Philipp Fankhauser hat sich in seiner Solokarriere nie dem ­puristischen Blues verschrieben. Dafür spielt er nicht genug virtuos Gitarre oder ist er ein zu wenig exaltierter Sänger. Aber er hat ein Gefühl für das Schlichte und das Bodenständige, das in der Umsetzung auch mal soulig oder poppig sein darf. Heute ist Fankhauser ein sympathischer Entertainer, der mit dezenten Blues-Tracks und den Geschichten, die er dazu erzählt, seine Rolle immer besser findet und ein wachsendes Publikum damit begeistern kann.

Hartnäckig und erfolgreich an der Karriere gearbeitet

Die 15 Stücke des Albums charakterisieren hervorragend diese bluesige Populärmusik, die Fankhauser für die Schweiz neu erfunden hat. Stärker denn je sind ihre Soul-Anteile geworden, was die Kanten schleift und das Gemüt erweicht. Da ist die sanft aufgeraute Stimme Fankhausers, die das Timbre gibt, und immer mal wieder von Southern-Soul-Chörchen begleitet wird. Da sind die Texte, die vom Lieben und vom Verlassenwerden berichten, oder einzelne Zeilen, die so schöne Stimmungen evozieren wie «Mississippi darkness comin’ down hard on me» im Stück «Cryin Shame». Da sind so hervorragende Musiker wie der Luzerner Marco Jencarelli (Gitarre) oder Hendrix Ackles (Keyboards), die auch diesem Album ihren Stempel aufdrücken und zusammen mit einer professionellen US-Bläsergruppe die Musik grossartig und entspannt machen.

Fankhauser, 1964 geboren, ist ein hartnäckiges Blues-Talent. Trotz harter Zeiten, persönlicher Krisen und Rückschlägen hat er nie aufgegeben, seinen Traum von Musik zu verwirklichen. Er hat sich so etwas wie eine Blues-Biografie abverdient, an der er gewachsen ist. Als er, von ersten regionalen Erfolgen motiviert, 1994 sein Glück in den USA ­versuchte, kehrte er nach sechs ­Jahren eher ernüchtert in die Schweiz zurück. Hier nahm er den Blues-Faden wieder auf und strickte sich mit solidem Handwerk und einer feinen Band eine Karriere, die sich sehen lassen kann. In seinen 30 Blues-Jahren hat er mit vielen Persönlichkeiten dieser Musik zusammengespielt wie Johnny Copeland, Little Milton, Luther Allison, Memphis Slim und anderen und ist über 2000 Mal aufgetreten.

Ein frühes Hörerlebnis führte ihn nach Mississippi

«I’ll be around» wurde in den Malaco Studios in Jackson, Mississippi, aufgenommen, die sich auch «The Last Soul Company» nennen. Er habe 1988 im «Black Music Special» von DRS 3 ein Porträt dieses Studios gehört und die Musik sei ihm total eingefahren, erzählte Fankhauser in Interviews. Plötzlich hörte er einen Blues, der von den Akkordfolgen her viel offener war und auch mehr Soul enthielt als aller Blues, den er damals etwas puristisch verfolgt hatte.

Mit seiner Band flog Fankhauser nach Mississippi und brachte das Kunststück fertig, das Album gemeinsam von den beiden renommierten Studio-Experten Dennis Walker (B. B. King, Robert Cray, Ruth Brown, Bettye LaVette, Lowell Fulson) und Wolf Stephenson (Ruthie Foster, Little Milton, Denise LaSalle, Johnnie Taylor) produzieren zu lassen, die doch sonst Konkurrenten sind.

Philipp Fankhauser: I’ll be around. The Malaco Session, Sony Music, 2017.

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