Die Liebe zum alten elektrischen Sound

CD ⋅ The Knocked Out Rhythms bringen Rockabilly und Blues zum Swingen. Auf dem zweiten Album des Luzerner Duos wirkt auch Schlagzeuger Arno Troxler mit.
06. Dezember 2017, 04:39

Vor fünf Jahren begannen Gitarrist Sämi Gallati und Kontrabasist Claudio Strebel im Duo aufzutreten. Sie lernten einander im musikalischen Umfeld von Coal kennen. Gallati hatte sich mit der rockenden Pop-Band Mothers Pride einen Namen gemacht, die 20 Jahre lang existierte. Strebel ist ein musikalisch gewiefter Allrounder mit Jazzabschluss. Gemeinsam kochten die beiden einen alten Sound neu auf und wurden mit ihrer coolen Mischung aus Rockabilly, Blues und Instrumentals schnell zu einem Geheimtipp.

«The Wolfer» heisst ihr aktuelles Album, auf dem sich das Duo mit dem Schlagzeuger Arno Troxler zum Trio erweitert hat. Troxler, der in dieser Band gerne seine Vintage-Schlagzeuge einsetzt, spielt so locker und tragend auf den Punkt, dass sich Gallati und Strebel souverän entfalten können. Elf Tracks wurden aufgenommen, mit Ausnahme von «Caravan» (Duke Ellington) und «Party Girl» (T-Bone Walker) sind alles Eigenkompositionen.

Neben lüpfigen Shuffle-Nummern und Rockabilly erfreut uns das Trio mit reizvollen Instrumental-Tracks. Mit ihrem Twang und ihrer Tönung könnten sie glatt als Soundtracks durchgehen, wie sie für schummrige Ganoven- und Late-Night-Filme eingesetzt werden. Gallati spielt die Licks und kurzen Soli mit beneidenswerter Schärfe und Gelassenheit, Troxler schuffelt und raschelt, Strebel slapt den Bass und ist das rhythmisch-harmonische Bindeglied. Rockabilly sei seine Jugendliebe, sagt Sämi Gallati mit einem Lächeln. Ihm hatten es nicht nur der Sound der Gitarre und der Rhythmus angetan, sondern auch die Attitude dieser Typen. Die tätowierten Oberarme, die grossen Ami-Schlitten, die Pin-up-Girls und überhaupt das latent Gefährliche und Aufreizende, das aufblitzte, wenn der Rhythmus rollte und kickte.

Abgrenzen mit dem Rockabilly-Sound

Wahrscheinlich habe er sich damals mit dem Rockabilly auch abgrenzen wollen, vermutet Gallati. Sein älterer Bruder hörte Hendrix, Punk und New Wave, seine Mutter spielte und komponierte zeitgenössische Musik. Da kam der Rockabilly, den «young» Sämi mit den Stray Cats einsog, gerade richtig. «Weder meine Mutter noch mein Bruder hatten ein Verständnis dafür. Das war nur meine Musik.» Später rückten Oasis und andere Brit-Pop-Bands in sein Hörfeld und bastelte Gallati eine Zeitlang mit Mothers Pride an einer nationalen Popkarriere. Heute lebt er mit der Familie auf dem Land in Neuenkirch und ist in der Stadt als Bar-Keeper im «Meyer» wohlbekannt. Mit The Knocked Out Rhythms hat er seine alte Liebe zum Rockabilly ganz unpuristisch neu auferweckt. «Uns geht es um die Musik, den Sound. Mit der ganzen ‹Kostümierung› und überhaupt den Codes der Szene können wir nicht so viel anfangen.»

Gallati liebt den Sound der frühen Rhythm-’n’-Blues-Jahre, als Blueser wie T-Bone Walker oder Muddy Waters begannen, auf der elektrischen Gitarre zu spielen. Dieser direkte und elektrisierende Funke vermag bis heute zu zünden. «Retro» ist er deswegen nicht geblieben. Zu seinen Favoriten gehören auch aktuelle Acts wie Steve Gunn, The War On Drugs oder Sleaford Mods. «Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, einmal mit einem Rapper etwas zu machen, der über unseren Grooves am Abtischen ist.»

 

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

The Knocked Out Rhythms: «The Wolfer», CD/Vinyl, 2017.

Samstag, 9. Dezember, El Barrio, Luzern, Plattentaufe.

www.knockedout.ch

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