Die vierte Macht in Hollywood

FILM ⋅ Morgen Abend werden in Beverly Hills die Golden Globes vergeben. Zum 75. Mal. Doch wer steht eigentlich hinter dem zweitwichtigsten Filmpreis der Welt?
06. Januar 2018, 09:02

Die Golden Globes sind zwar immer zuerst dran, immer aber stehen sie im Schatten der Oscars. Und auch in jenem der Emmys, denn die goldenen Weltkugeln mit dem Zelluloidfilmstreifen drum herum sind sowohl die zweitwichtigsten Film- als auch Fernsehpreise der Welt.

Die Oscars werden von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences verliehen, die sich aus über 8000 im Filmgeschäft tätigen Personen wie Schauspielern, Regisseuren oder Kostümbildnern zusammensetzt. Die Organisation, die die Golden Globes vergibt, ist viel kleiner und steht quasi für den objektiven Blick von aussen auf die älteste Unterhaltungsindustrie der Welt. 1943 gegründet, hat sich die Hollywood Foreign Press Association (HFPA, der Verband der Auslandspresse) auf die Fahne geschrieben, die Rezeption der US-amerikanischen Filmbranche in ihren Herkunftsländern zu fördern. Die Non-Profit-Organisation widmet sich auch karitativen und nachwuchsfördernden Projekten sowie der Filmrestaurierung.

Auch sie sind Teil ­ des Hollywoodmilieus

Heute repräsentieren die etwa 90 Mitglieder der HFPA etwa 55 Länder mit einer Leserschaft von über 250 Millionen Personen. Die Publikationen sind führende Zeitungen und Magazine in Europa, Asien, Australien/Neuseeland und Lateinamerika, wie etwa der «Daily Telegraph», «Le Figaro» oder die «China Times». Maximal fünf Journalisten pro Jahr werden neu zugelassen. Alle Mitglieder sind bei der Motion Picture Association of America akkreditiert und müssen ihren Hauptwohnsitz in Südkalifornien haben. Die HFPA ist also Teil des Hollywoodmilieus; Filmschaffende und Filmjournalisten sind voneinander abhängig und letztere sicher nicht immer ganz unabhängig.

Bei den Golden Globes ist immer wieder von überraschenden Nominationen die Rede. Umso enttäuschender ist, dass in Zeiten von #MeToo und Time’s Up keine Frau für die «Beste Regie» nominiert wurde. An herausragenden Leistungen hätte es mit Greta Gerwig («Lady Bird»), Patty Jenkins («Wonder Woman») und Kathryn Bigelow («Detroit») nicht gefehlt. Immerhin setzt die HFPA mit der Nominierung von Christopher Plummer ein Zeichen – er ersetzte Kevin Spacey in Ridley Scotts «All The Money In The World». Überraschend an der Nominierung von Gary Oldman («Darkest Hour») ist höchstens, dass es seine erste ist.

Alle lieben ­ Meryl Streep

Letztes Jahr machten die beiden Gewinner «Moonlight» (Drama) und «La la Land» (Komödie oder Musical) den Oscar unter sich aus. Eins steht fest, wer bei den Golden Globes gewinnt, ist auf Oscar-Kurs. Industrie und Presse: ein Herz und eine Seele. Und alle lieben Meryl Streep. Über 30-mal wurde sie schon nominiert, diesmal für ihre Rolle der Verlegerin in «The Post». Nach ihrer herzhaften Rede letztes Jahr wird sie heuer sicher in Schwarz über den roten Teppich gehen und damit ein Zeichen für Time’s Up und die Frauenrechte setzen.

 

Regina Grüter

75. Golden Globes: 7. Januar (www.goldenglobes.com)

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