Ein Abschied mit Klasse und Emotionen

KKL ⋅ Das Abschiedskonzert des langjährigen Dirigenten Peter Sigrist wurde für den Konzertchor Luzern zum grossen Ereignis. Und auch das Publikum hatte ein nachhaltiges Erlebnis. Das Ende berührte besonders.
13. November 2017, 07:52

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

«Peter, wir danken Dir» stand am Ende des Abschlusskonzertes von Peter Sigrist gestern Vormittag in Grossbuchstaben über dem Chor. Die Mitglieder des Konzertchores Luzern würdigten die jahrzehntelange Chorarbeit mit diesem Gruss, den sie, für alle im ausverkauften Konzertsaal des KKL gut sichtbar, auf grossen Tafeln hochhielten. Und zusätzlich zu dem langanhaltenden Beifall mit Standing Ovations bis hinauf in den vierten Balkon gab es goldenen Flitterregen von oben, der sich über Chor und Orchester ausbreitete.

Ein wahrhaft würdevoller Abschied. Und es war rührend anzusehen, wie Peter Sigrist die Ovationen zunächst ernst blickend entgegennahm, dann aber immer gelöster und auch lächelnd mit dem grossen Blumenstrauss in der Hand den besonderen Moment mitfeierte.

Zuerst einmal der pure Chorklang

Mit der 2. Sinfonie «Lobgesang» von Felix Mendelssohn-Bartholdy hat Peter Sigrist ein Werk ausgesucht, in dem der Chor erst nach drei sinfonischen Sätzen dazukommt – ähnlich wie in Beethovens 9. Sinfonie. Zu Beginn liess Sigrist aber schon einmal den Choral «Nun danket alle Gott» aus der Sinfonie singen, in dem sich der Chor a cappella präsentieren konnte. Denn erst die zweite Strophe wird vom Orchester begleitet. Mit klarer Aussprache und ungewöhnlicher Phrasierung, in der die Nebensilben etwas zurückgenommen wurden, stimmte der grosse Chor auf das Abschiedskonzert ein.

Das Barockorchester Capriccio Basel mit seinem ganz besonderen Klang, fast ohne Vibrato der Streicher und mit barocken Blasinstrumenten, gab Mendelssohns Komposition kammermusikalischen Charakter. Prägnant erklang das Thema in den Posaunen, das immer wiederkehrt und den Kernsatz «Alles, was Odem hat, lobe den Herrn» gleich am Anfang vorwegnimmt. Die drei sinfonischen Sätze bereiten thematisch und sich steigernd die Choralkantate vor, der majestätische Beginn wurde durchsichtig und dennoch kraftvoll musiziert. Der wiegende Sechsachteltakt des «Allegretto un poco agitato» mit viel Pizzicato klang leicht und duftig, der Bläserchoral hob sich kraftvoll darüber ab. Ohne Sentimentalität war das «Adagio religioso» der stimmungsvolle Übergang zum ersten Choreinsatz über den punktierten Steigerungen des Orchesters.

Peter Sigrist hatte seinen Konzertchor bestens vorbereitet, der Text war meist gut zu verstehen, und dass manche Sänger gar auswendig sangen, zeigte, wie die vielen intensiven Proben mit dem Werk vertraut gemacht hatten. Wie Sigrist im Interview mit unserer Zeitung vom letzten Mittwoch sagte: «Man muss bei einem grossen Chor hart arbeiten und sich auch mal nur mit schwierigen Stellen befassen.»

Die leisen Passagen besonders klangvoll

Dieses Konzept hat sich ausgezahlt, die Sängerinnen und Sänger wirkten absolut sicher. Der Klang kam besonders in den leiseren Passagen gut zur Geltung, derweil der Chor im Forte manchmal etwas wenig Strahlkraft hatte. Das war aber mit dem differenziert begleitenden Barockorchester dennoch ausreichend – mit einem grossen Sinfonieorchester, bei dem auch noch Orgel vorgesehen ist, wäre die Durchschlagskraft nicht genug gewesen.

In den filigranen Klang passten auch die beiden Solisten gut. Mit schlank-hellem Sopran sang Maria Cecilia Schmid, und David Munderloh überzeugte mit lyrischem Tenor. Nur in der Tenorarie «Stricke des Todes hatten uns umfangen» wäre mehr Dramatik wünschenswert gewesen.

Totale Aufmerksamkeit beim Publikum

Wie aufmerksam der Chor dem Dirigenten folgte, wie jede Bewegung aufgenommen wurde und wie selbstverständlich das Orchester die Stimmungen und Texte widerspiegelte, beeindruckte das Publikum. Diszipliniert und mit meist guter Intonation beherrschte der Chor das vielschichtige Werk. Aufmerksam und ohne die oft übliche ­Unruhe und störendes Husten lauschten die Zuhörer und zollten auch damit Peter Sigrist Anerkennung und Dank.

Die Begeisterung und der Zusammenhalt des Chores waren ständig zu spüren. Für alle Mitwirkenden wird es ein unvergessliches Konzert bleiben. Schön, dass mit dem Konstanzer Philipp Klahm bereits ein kompetenter Nachfolger gefunden wurde und der Chor weiterhin in der vielfältigen Chorlandschaft Luzerns zu hören sein wird.


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