Ein Orchester trotzt dem Bösen

KKL ⋅ Zauberlehrling Harry Potter lockte mit seinem zweiten Kinofilm ein junges und mitfieberndes Publikum in den Konzertsaal. Auch wer die düsteren Geschichten um die britischen Zauberteenies nicht mag, muss zugeben: Die Musik ist den vielen Horror wert.
03. Dezember 2017, 08:37

Ob man nun die «Harry Potter»-Filme mag oder nicht, eines steht fest: Sie sind überaus reich an Musik. Komponiert von einem wahrhaft erfahrenen Tonkünstler: John Williams (85), der auch für die «Star Wars»-, «Indiana Jones»- oder «Jurassic Park»-Reihe die Musik geschrieben hat.

Fakt ist ebenfalls: Auch wenn sich manch einer fragt, wieso ­Joanne K. Rowling ausgerechnet mit Geschichten über Zauberschüler in düsterer Umgebung steinreich wurde, so haben diese Zauberschüler doch weltweit ihre Fans. Und von diesen Fans befinden sich am Freitagabend eine Menge im Konzertsaal des KKL. Es wird gelacht und mitgefiebert im Parkett und auf den Balkonen. Und auch im Orchester stimmt das Geschehen so manchen Musiker immer wieder fröhlich.

Zum Glück springen die Spinnen zu schöner Musik

Zuletzt gibt es seitens des Publikums Standing Ovations für Musiker und Dirigent, die kein Ende nehmen wollen. Orchesterleiter Ernst van Tiel freut sich und hält das «Harry Potter»-Programm hoch in die Luft – er möchte die Lorbeeren nicht nur für sich und seine Musiker ernten. An den schwarzen Lackschuhen dieses Dirigenten hat man sich immer wieder erfreut, wenn man des Anblicks der vielen schwarzen Spinnen auf der grossen Leinwand überdrüssig war.

Und zum Glück gibt es nicht nur zu den Spinnen sehr schöne Musik: Mal eine helle Klarinette, mal bombastischer Orchesterklang, der den Angriff der vielbeinigen Monster eindrücklich zu Gehör bringt. Gleich zu Beginn des Konzerts nehmen kleine Wirbel der Bläser und zitternde Streicherklänge den grässlichen Verwandten ­Harry Potters etwas von ihrer Schrecklichkeit.

Fliegt Zauberschüler Harry dann in die Lüfte Richtung ­Hogwarts, leisten die Streicher Höchstarbeit. Mit tiefen Tönen wiederum kündigen sie das Böse in Gestalt von Lucius und Draco Malfoy an. Diskutieren die Zauberschüler, sind plötzlich verspielte Flöten gefragt. Kein Zweifel, die Musik spielt eine Hauptrolle bei «Harry Potter und die Kammer des Schreckens».

Dass es im letzten halben Jahr zu Unstimmigkeiten zwischen dem 21st Century Symphony Orchestra und dem Produzenten Pirmin Zängerle gekommen ist (wir berichteten), merkt man Freitagabend übrigens nur an der Besetzung des Dirigenten.

«Ein Spezialist für ‹Harry Potter›»

So dirigiert die gesamten «Harry Potter»-Aufführungen nicht Orchestergründer Ludwig Wicki, wie das bei früheren Gemeinschaftsprojekten der Fall war. Das von Zängerle für diese Produktion gemietete 21st-Orchestra wird vom erwähnten Ernst van Tiel geleitet. Nach den gefeierten Aufführungen von «The Artist» 2014 und 2016 folgt so eine weitere Zusammenarbeit der 21st Century Concerts mit dem versierten Holländer mit den schönen Schuhen.

«Ernst van Tiel ist Spezialist für ‹Harry Potter› – er dirigierte 2016 bereits den ersten Teil», betont Produzent Pirmin Zängerle. Und fügt an: «Seine Zusammenarbeit mit dem Orchester ist sehr farbenreich.» Pirmin Zängerle äussert sich auch zu den Nach­fragen seitens vieler Filmmusikfans, ob es denn nun künftig kein Rahmenprogramm mit Nachtessen mehr gäbe: Man sei im Gespräch mit dem KKL, 2018 wieder ein solches Rahmenprogramm anzubieten. «Es ist etwas aufwendig zu organisieren, aber beim Publikum sehr beliebt.» Persönlich finde er das Rahmenprogramm ebenfalls eine tolle Sache. Dass «Harry Potter» am Freitag auch die Jugend in grosser Zahl ins KKL strömen liess, freut den Produzenten, auch wenn keine forcierte Absicht dahinter steckt: «Das Publikum ist bei ‹Harry ­Potter› wirklich teils sehr jung. Das ist ein schöner Nebeneffekt.»

 

Susanne Holz

susanne.holz@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Aufführungen von «Harry Potter and the Chamber of Secrets» mit dem 21st Century Symphony Orchestra: Heute, Sonntag, 17 Uhr; am 29. und 31. Dezember (Freitag und Sonntag) um 19.30 und 20.30 Uhr sowie am Dienstag, 2. Januar, um 18.30 Uhr.

Anzeige: