Emotionaler Oscar-Anwärter begeistert Syrer

FILM ⋅ Im März geht er ins Oscar-Rennen - am Montag ist der deutsche Dokfilm "Die letzten Männer von Aleppo" im syrischen Idlib gezeigt worden. Dutzende Zuschauer sahen sich an der Uni der Stadt den Film an, der mutige Helfer und leidende Zivilisten im Kampf um Aleppo zeigt.
13. Februar 2018, 00:33

Der syrische Regisseur Feras Fajjad begleitete für den Film Mitarbeiter der sogenannten Weisshelme in Aleppo, die während der Bombardements auf die belagerte Stadt versuchten, die verzweifelten Bewohner zu retten. "Was die Helden dieses Films durchgemacht haben, ist das, was alle Syrer durchgemacht haben", sagte der Leiter des Medieninstituts der Universität, Alaa al-Abdallah.

Die Filmszenen lösten bei den Zuschauern verschiedene Emotionen aus: Viele weinten, manchmal waren sogar Lacher zu hören - aber oft Schweigen. Der Film habe "Erinnerungen wachgerufen an die letzten, schwierigen Tage in Aleppo und die vielen Menschen, die vor unseren Augen starben", sagte Mohammed al-Schaghel, der selbst aus der zweitgrössten syrischen Stadt geflohen war.

Nach Luftangriffen und heftigen Kämpfen hatten die syrischen Regierungstruppen Ende Dezember 2016 die von den Rebellen gehaltenen Stadtviertel Aleppos zurückerobert. Der Film zeigt die verheerende Situation der Zivilbevölkerung in der belagerten Stadt und illustriert anhand persönlicher Schicksale das Engagement der freiwilligen Helfer der Weisshelme.

"Die letzten Männer von Aleppo" hat bereits zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem beim Sundance Filmfestival. Am 4. März kann er auf einen Oscar für den besten Dokumentarfilm hoffen.

Idlib ist die letzte syrische Provinz, in der die Regierung keinerlei Kontrolle hat. Sie ist aber seit Ende Dezember Ziel intensiver syrischer und russischer Luftangriffe. Während des im März 2011 begonnenen Kriegs in Syrien wurden bereits mehr als 340'000 Menschen getötet und Millionen weitere in die Flucht getrieben. (sda/afp)

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