Rolf Dobelli sammelt Lebensweisheiten

BUCH ⋅ Zum dritten Mal präsentiert Rolf Dobelli Tipps, wie man das Leben besser bewältigt. Und landet erneut einen Bestseller. Nicht dass man darin viel Neues erfahren würde, aber eine besondere Stärke hat das Buch schon.
14. November 2017, 07:53

Arno Renggli

«Die Kunst des klaren Denkens» und «Die Kunst des klugen Handelns» hiessen Rolf Dobellis Vorgänger-Bücher. Der neue Titel «Die Kunst des guten Lebens» zeigt, dass der heute in Bern ­lebende Luzerner das Erfolgs­konzept beibehält: Er nimmt Erkenntnisse aus Psychologie und Verhaltungsforschung, aus Philosophie und Wirtschaft. Und präsentiert sie in kurzen Kapiteln als praktische Lebenshilfe. Und damit sind wir bereits bei der Stärke des Buches. Vieles ist derart bekannt oder sogar überplausibel, dass es nicht selten wie eine ­Binsenwahrheit wirkt. Aber die Vermittlung ist sehr gelungen: Dobelli startet die Kapitel meist mit einem Beispiel und bringt im Anschluss die Informationen sowie Überlegungen sehr verständlich auf den Punkt. Dass die Lektüre unterhaltsam und die einzelnen Kapitelhäppchen auch für das Nachttischlein taugen, macht das Buch noch attraktiver.

Das Leben wie ein Stoiker betrachten

Neben den erwähnten Gebieten sind vor allem auch die Stoiker eine Quelle, die Rolf Dobelli im Nachwort explizit erwähnt. Verschiedene Kapitel drehen sich darum, dass man seine eigene Bedeutung angesichts der Unendlichkeit von Zeit und Raum nicht überschätzen soll, ausser im Rahmen engster Beziehungen. Auch persönlicher Erfolg und Misserfolg seien sekundär, zumal bedingt durch Umstände wie Erb­anlagen, für die man nichts könne. Und Geld ist ab einer bestimmten Menge ohnehin unwichtig. Gerade die «stoischen» Kapitel gehören zu denen, deren Inhalte wegen ihrer Selbstverständlichkeit etwas banal wirken. Aber es kann ja nichts schaden, sich auch solches ab und zu in Erinnerung zu rufen.

Etwas irritierend im Buch ist hingegen das ständige Zitieren von Sprüchen des bekannten US-Investors Warren Buffett und von dessen Partner Charlie Munger. Die beiden erhalten ein Gewicht, fast als wären sie die beiden einzig wahren Weisen dieses Erdballs. Darin wie an vielen anderen ­Stellen kommt auch Dobellis doch sehr starke Verbundenheit mit der angloamerikanischen Kultur zum Ausdruck. Darüber hinaus gibt es im Buch immer wieder Interessantes zu entdecken, vielleicht sogar mal etwas Überraschendes.

Wie Dobelli selber Bücher liest

Dazu gehört etwa, dass Authentizität, oft zum Erfolgsrezept hinaufstilisiert, nicht um jeden Preis gesucht werden soll, weil eine Fassade von Diplomatie und guten Umfangsformen ebenso wichtig ist. Spannend sind auch persönliche Aussagen von Dobelli: etwa, dass er viel weniger Bücher lese als früher. Und dafür jedes, das ihm gefallen habe, gleich ein zweites Mal. Auch im Falle seines Buches hat es Kapitel, wo sich eine zweite Lektüre lohnt.

Rolf Dobelli: Die Kunst des guten Lebens. Piper, 379 S., Fr. 30.–.


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