Regisseur Miloš Forman schuf Filme für die Ewigkeit

KINO ⋅ Der grosse Regisseur Miloš Forman ist tot. Mit «Einer flog über das Kuckucksnest» und «Amadeus» schrieb er zweimal oscarträchtige Filmgeschichte. Doch auch andere seiner Werke hatten es in sich.
15. April 2018, 08:21

Peter Mohr und Arno Renggli

kultur@luzernerzeitung.ch

«Ich finde es schrecklich, wenn Regisseure denken, sie würden etwas wahnsinnig Wichtiges kreieren. Hey, Leute, es ist nur ein Film! Macht euch locker!», hatte Miloš Forman vor zehn Jahren mal erklärt. Dabei war gerade er einer, der auch gesellschaftlich relevante Filme gedreht hat.

Sein eigenes Leben prägte sein Schaffen. «Ich habe immer davon geträumt, etwas Rebellisches zu tun, aber ich hatte nicht den Mut dazu. Also waren diejenigen, die sich trauten, meine Helden. Das ist ganz natürlich, wenn man rund 40 Jahre unter totalitären Regimes gelebt hat – zuerst unter den Nazis und dann unter den tschechischen Kommunisten», sagte Forman einst, der im Februar 86-jährig wurde.

Schon seine ersten Filme störten die Machthaber

Tatsächlich hatte Forman unter den unmenschlichen Diktaturen gelitten. Mit neun Jahren verlor er seine Eltern, die im KZ starben. In einem Internat kam der Waisenjunge erstmals mit Film in Berührung. Buster Keaton und Charlie Chaplin faszinierten ihn. Der Weg zur Prager Filmhochschule war vorgezeichnet.

Schon mit seinen ersten in der Tschechoslowakei gedrehten Filmen eckte er bei den kommunistischen Machthabern an. Als 1968 russische Panzer in Prag einrollten, war der damals 36-jährige Forman in Paris. Bald zog er in die USA. 1975 gelang ihm der Durchbruch mit «Einer flog über das Kuckucksnest». Der Film holte fünf Oscars als bester Film, für die Regie, das Drehbuch und die beiden Hauptdarsteller Jack Nicholson als Rebell und Louise Fletcher als sadistische Irrenärztin.

Der mitreissenden Filmversion des Musicals «Hair» (1979) folgte 1984 der zweite grosse Wurf, der in Formans tschechischer Heimat gedrehte Film «Amadeus», der mit insgesamt acht Oscars prämiert wurde.

Forman liess sich im Gegensatz zu vielen Kollegen von den Produzenten nie von Film zu Film hetzen. Er wählte die Drehbücher sorgfältig aus und ignorierte oft das zeitgeistabhängige Pu­blikumsinteresse. «Valmont» (1989) und die provokante Filmbiografie «Larry Flynt» (1996) über den bekannten Schmuddelverleger wurden trotz internationaler Preise keine Kassenschlager. Auch «Der Mondmann» mit Jim Carrey in der Rolle des berüchtigten Komikers Andy Kaufmann ist ein überragender und hochgelobter Film, der kommerziell fallierte. Nicht viel besser erging es ihm mit seinem letzten Film «Goyas Geister» (2006).

Auch die neuen Technologien bereiteten Forman Kopfzerbrechen: «Als ich zum ersten Mal an einem digitalen Schneidetisch sass, war ich total nervös: Es gab nichts, was ich berühren konnte.» Der grosse Enthusiasmus war verflogen: «Das US-Publikum hat seine Schwierigkeiten, wenn es ambivalent zugeht. Es mag Schwarz-Weiss-Malerei, aber mit grauen Schattierungen hat es so seine Probleme.» Trotz der Desillusionierung am Ende ist Miloš Forman einer der ganz Grossen des Kinos. Und wird es bleiben.


Anzeige: