Exklusiver Unsinn mit Dominic Deville

COMEDY ⋅ Dominic Deville inszeniert seine neue Reihe am Luzerner Kleintheater als exklusiven Geheimclub. Viel Nebel und nebulöse Halbwahrheiten wabern da über die Bühne. Kann die Show die aufgebauten Erwartungen erfüllen? Ein Whistleblower-Bericht.
03. Dezember 2017, 08:37

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Der Luzerner Dominic Deville, Mastermind der SRF-Unterhaltungsshow «Deville Late Night», hat genug von den Tweets und der Sharingmentalität auf sozialen Medien. Auf diese Netzwerke der Transparenz, auf denen Figuren wie US-Präsident Trump ­Lügengeschichten erzählen, antwortet der Rebell der Schweizer Unterhaltungsindustrie mit Geheimniskrämerei.

In seinem neu gegründeten Geheimclub Club Deville ist man nicht Zuschauer, sondern Mitglied. Es wird nicht geklatscht, sondern geschnipst. Und über das Gesehene twittert man nicht, sondern schweigt sich aus. Auch die anwesende Presse soll das tun. Sie bekam bei der ersten Ausgabe am Freitagabend den zu druckenden Fake-Bericht von De­ville gleich vordiktiert – im schwüls­tigen Bibeldeutsch, welche die Bühne zum Tempel erhebt.

Bloss kein digitaler Schnickschnack!

Etwas von diesem Pathos ist auf der Bühne spür- und auch sichtbar. Künstlicher Nebel wabert zur Dubstep-lastigen Musik von Stahlberger-Bassist Marcel Schwend alias DJ Bit-Tuner über die Bühne. Sie umschmeicheln die nebulösen Halbwahrheiten, die Deville im Club auf einem einfachen Diaprojektor präsentiert. Bloss kein digitaler Schnickschnack! Wie in seiner vorletzten Late-Night-Show, in der er echte Vögel analog twittern liess.

Die Stossrichtung ist klar: Deville setzt auf Exklusivität. Als exklusiv verkaufen kann man von der hässlichen Uhr bis zum Candle-Light-Dinner aber so ziemlich alles. Und bis zum ersten Gast herrscht erstmal über eine halbe Stunde ein Vakuum im Saal. Denn ähnlich wie schon ­ bei seinem letzten Comedy-­Programm «Bühnenschreck» verliert sich Deville mehr in der Erklärung seines Vorhabens, als wirklich Inhalte zu liefern.

Man erfährt von Devilles positiven wie negativen Gruppenerfahrungen – von der Münchner Kindergartengruppe «Rappelkiste», in deren Garten er mit peinlichem Topfhaarschnitt einst den Familienschmuck seiner Eltern vergrub. Wie er im Horwer Leichenhaus als Kind mit der Stinky-Bande sein Znüni ass oder als Schüler zwecks Generierung von Aufmerksamkeit den sensiblen Internatsschüler Uli aus Erich Kästners Kinderroman «Das fliegende Klassenzimmer» imitierte und vor 400 Mitschülern mit einem Regenschirm aus dem Schulzimmer springen wollte. Dasselbe Experiment sollte er später als Bandleader in Berlin bei einem Konzert durchziehen, allerdings ohne Regenschirm und mit schweren Knochenbrüchen als Quittung.

Kinderstreiche sind das, manche witzig, aber ohne Pointen leider verschenkt, und allein wegen des Lokalkolorits, das der in Luzern aufgewachsene Künstler hineinstreut, für einzelne Zuschauer auch unterhaltsam.

Doch beim Eintreffen des im Vorfeld geheim gehaltenen Gasts kommt endlich Schwung in den Abend. Endlich verzichtet De­ville auf reine Suggestionstechnik und setzt auf Inhalte. Beim Austausch mit Reinbold F. Christen, Vorsitzender der Luzerner Freimaurerloge Fiat Lux, wird er spontaner. Seine Pointen sucht er nicht mehr, sie treffen!

Weil die Freimaurer sich «verschwiegene Gesellschaften» nennen, kursieren über sie so manche Verschwörungstheorie. Deville konfrontiert den Meister vom Stuhl, wie der Vorsitzende offiziell heisst, mit aus dem Internet gesammelten Informationen und bringt den sich für ethische Prinzipien wie Gleichheit und Toleranz einsetzenden Mann aufs Glatteis mit heiklen Fragen zur Frauenmitgliedschaft.

Noch anarchischer wird’s nach dem zehnminütigen Überraschungsauftritt eines Newcomers. Deville sammelt Geheimnisse aus dem Publikum, verbrennt sie oder schluckt sie runter und beantwortet Publikumsfragen mit einer Folienpräsentation.

Trump mit Op-Art vergessen

Zur Wahl von Donald Trump liefert er eine Geschichte, die die Bibel nicht spektakulärer erzählen könnte, und schenkt den Zuschauern die Möglichkeit «Trump zu vergessen», indem er dazu einlädt, minutenlang auf eine Präsentationsfolie mit Op-Art zu starren. Das geht so lange, bis zum Schluss alle mit den von DJ Bit-Tuner zusammengesampelten Wortmeldungen des Abends ins kollektive Partykoma fallen.

Alles in allem ein Format, das mächtig Potenzial hat, was es an manchen Stellen noch besser aus­zunutzen gilt. Man darf gespannt sein, wen Deville als Nächstes aufstöbern wird: Zauberer, Privatdetektive, Ex-Spione?

Hinweis

«Club Deville». Luzerner Kleintheater. Nächste Termine: 9. März und 20. April. www.kleintheater.ch

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