Lisa Brühlmann: «Finde deine weibliche Kraft»

KINO ⋅ Die Schweizer Schauspielerin Lisa Brühlmann hat für ihren Spielfilmerstling «Blue My Mind» bereits Preise gewonnen. Im Gespräch sagt sie, was sich für Mädchen seit ihrer eigenen Teenagerzeit verändert hat.
09. November 2017, 08:16

Interview: Geri Krebs

Lisa Brühlmann, Ihr Film spielt in der Welt der Teenager und vermittelt gnadenlose Konkurrenzkämpfe. Ist es wirklich so extrem?

«Blue My Mind» ist ja nicht in erster Linie ein Film über das ­Sozialverhalten von Teenies an einer Schule, sondern mir ging es vielmehr um spezifische Figuren. Klar Gianna, die Gegenspielerin von Mia, ist eine extreme Figur. Bei ihr habe ich an drei Freundinnen aus meiner Teenagerzeit ­gedacht, die extrem drauf waren. Bei meinen Recherchen ging es mir nicht darum, extreme Verhaltensweisen zu suchen, ich wollte vielmehr wissen, was diese ­Jugendlichen umtreibt, was sie fühlen, wie sie sprechen.

Wenn Sie die Welt heutiger Teenager mit Ihrer eigenen von vor fast zwanzig Jahren vergleichen, was ist anders?

Vieles ist immer noch gleich, aber generell hat der Druck noch ­zugenommen, was Äusserlichkeiten und Schönheitsideale betrifft. Dein Erscheinungsbild auf Instagram muss immer perfekt sein, der Druck auf das Aussehen ist heute gesteigert.

Sie zeigen Mädchen, die scheinbar nichts anderes im Kopf haben als shoppen, sich schminken und eben: Bilder von sich verschicken. Sehen Sie Ihren Film auch als Kritik an der Konsumgesellschaft?

Sicher, zu einem Teil, aber mehr noch ging es mir darum, zu sagen: finde zurück zu deiner eigenen Natur, finde deine weibliche Kraft. Und vor allem, geh deinen eigenen Weg und liebe dich so, wie du bist. Da spielt der Kampf gegen Zwänge schon mit hinein und die Frage: Gäbe es nicht Möglichkeiten, anders zu leben als mit diesem Konsumstress?

Sie haben Erfahrung als Schauspielerin. Wie sehr ist Ihnen das beim Regieführen zugute gekommen?

Man versucht als Regisseurin ja den Schauspielerinnen und Schauspielern das zu geben, was man selber bräuchte, wenn man dort stehen würde. Das heisst für mich: genügend Raum, kein Druck, spüren, was er oder sie braucht, bevor es heisst: Action.

Stefan Jäger, wie haben Sie als Produzent reagiert, als Lisa Brühlmann eröffnete, dass der Film Fantasy-Elemente enthalten soll?

Also ich war von Anfang an begeistert. Ich kenne Lisa von der Hochschule der Künste, ich war damals einer ihrer Dozenten, und jemand wie sie mit ihrer Imagination ist ein Glücksfall. Als sie mir später, nach ihrem Bachelor- Abschluss, erzählte, was sie vorhatte, war mir sofort klar, dass man das realisieren müsste.

Eine obligate Frage an die Regisseurin eines Erstlings: Welches sind Ihre filmischen Vorbilder und Einflüsse?

Da gibt es viele, aber wenn ich es auf die kürzeste Formel bringen wollte: Sofia Coppola und Larry Clark. Bei Coppola gefällt mir, wie sie es schafft, eine sinnliche Atmosphäre herzustellen; wie sie die Einsamkeit ihrer Figuren zeigt, etwas, das alle ihre Filme kennzeichnet. Larry Clark bewundere ich für seine Rohheit, den Realismus, mit dem er seine jugendlichen Figuren zeichnet. Es gehören aber auch Leute wie Jacques Audiard und Andrea ­Arnold zu meinen Vorbildern.

«Blue My Mind» läuft in den Kinos Kinos Capitol (Luzern), Pathé Mall of Switzerland (Ebikon), Maxx (Emmen­brücke).


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