Nachgefragt

Dominik Locher: «Fühlte mich als Mann verletzlich»

01. Dezember 2017, 07:20

Im Film «Goliath» von Dominik Locher wird ein junges Paar nach dem Ausgang zusammengeschlagen.  Sie ist schwanger, er kann sie nicht schützen. Nun wächst seine Angst, als Mann nicht zu genügen. Während ihr Bauch wächst, stürzt er sich ins Krafttraining und beginnt, sich emotional abzukapseln – bis die Situation eskaliert. Hauptdarsteller Sven Schelker hat die körperliche Verwandlung seines Protagonisten am eigenen Leib mitgemacht.

Dominik Locher, wie kamen Sie auf das Thema des Films?

Während der Schwangerschaft meiner Frau machte ich die Erfahrung, mich als Mann ungenügend und verletzlich zu fühlen. Die Gender-Frage begleitete mich schon lange, aber diese neun Monate waren schliesslich der Auslöser, die Frage nach Männlichkeit wieder zu stellen.

Wo spielt dieses Thema in der Gesellschaft eine Rolle?

In zwei Phänomenen: Ich sehe bei meiner Generation – und bei der Generation unter mir noch verstärkt – den Druck, perfekt sein zu müssen. Ich glaube, der ist selbstauferlegt. Gleichzeitig suchen viele Männer nach ihrer Rolle: Wie gehen Männer damit um, wenn sie nicht mehr die Beschützer sein können, weil Frauen längst selbstsicher und selbstständig auftreten?

Geht es auch um mehr als das Thema Männlichkeit?

Es ging mir auch darum, etwas über die Enge zu erzählen, die sich in den Köpfen auch von Jungen breitgemacht hat. Sie drückt sich auch in den Zäunen in Osteuropa und den USA aus. Die Muskeln, die sich der Protagonist im Film antrainiert, kann man so auch als Mauern verstehen. Man mauert sich gegen aussen zu, konzentriert sich nur noch auf sich selbst, statt offen zu sein.

Wie wurde aus der Idee schliesslich ein Film?

Ich trug die Idee des übertriebenen Muskeltrainings und der Männlichkeit ein halbes Jahr mit mir herum. Regisseur Michael Haneke hat einmal gesagt, es gebe viele gute Ideen für Filme, aber wenige Formen dafür. Als ich auf das parallele Wachsen des schwangeren Körpers und des Muskel-Körpers kam, hatte ich eine Geschichte für die Idee.

Wie kam es zum Drehbuch?

Von der Idee bis zum Drehbuch ging es ein Jahr. Meine Frau, die Filmemacherin Lisa Brühlmann, und Ken Zumstein haben daran mitgeschrieben. Wir standen unter Zeitdruck, weil ich an der Zürcher Hochschule der Künste noch mein Masterstudium abschliessen musste.

Interview: Timo Posselt

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