Hecht und das Publikum gehen «crazy»

LUZERN ⋅ Innert gerade einmal 24 Stunden war die Luzerner Schüür ausverkauft. Hecht sind die Band der Stunde und sie bewiesen bei ihrem Heimspiel auch eindrücklich wieso das so ist.
14. April 2018, 18:52

Hecht sind oben angekommen. Statt vor der Bar stehen sie jetzt auf der Bar. Für einen Song klettern Sänger Stefan Buck, Keyboarder Daniel Gisler und Gitarrist Christoph Schröter auf das Kopfteil oberhalb der Schenke in der Luzerner Schüür. In diesem Konzertlokal, so erzählt Buck, hätten sie unzählige Biere getrunken und «andere Dinge gemacht», nun füllen sie es selber. An gleich zwei aufeinanderfolgenden Abenden. Das Konzert am Freitagabend war innert gerade einmal 24 Stunden ausverkauft – das ist Rekord für die Schüür.

Und das geniessen die fünf Musiker. Das ist auch das grosse Erfolgsgeheimnis dieser Band, die einst im Seetal gegründet wurde: Diese grosse, ansteckende Spielfreude. Da sind Leute auf der Bühne, die immer wollten, dass die Leute hüpfen, singen und «komplett crazy gehen», wie Buck immer wieder sagt. Der Keyboarder spielt sein Solo während er durchs Publikum getragen wird, Buck badet immer wieder in der Menge und auch Chris Filter am Schlagzeug und Philipp Morscher am Bass scheinen jede Sekunde des Konzerts zu geniessen. Das Publikum – zu einem grossen Teil weiblich – ist textsicher und mindestens so willig «crazy» zu gehen wie die Band. Ab Lied Nummer drei wird mitgesungen und mitgetanzt.

Soeben ist die neue, dritte Hecht CD «Oh Boy» erschienen. Darauf hat sich die Band hörbar weiter entwickelt. Songwriting wie Texte sind besser geworden, ohne etwas von der typischen Hecht-Dynamik einzubüssen. Es ist Mundart-Pop, der stets voranprischt und mit einer grossen Portion Euphorie getränkt ist. Ganz grundsätzlich ist das nichts sonderlich weltbewegendes, aber Hecht schaffen es mit jedem Song das Publikum abzuholen. Jeder der Songs könnte an einem schönen Sommerabend am See gespielt werden, es geht um die Liebe und das Leben.

Mehr Anspruch als Berechnung

Und eben: Hecht ist eine grossartige Liveband. Zwar mag von der Bühne nicht ein gewaltiger musikalischer Druck kommen, aber halt eine gewaltige Energie. Spielfreude ist ansteckend und davon können Buck und seine Band am Freitag kübelweise ins Publikum schütten.

Es zählt zu den kleineren Gemeinheiten des Lebens, dass die  älteren Songs beim Konzert in der Schüür noch besser funktionieren als die Neuen. Spätestens bei der Single «Kawasaki» geht die Menge dann aber tatsächlich «crazy». Die Liebeserklärung an Julia, so heisst die Frau von Stefan Buck, wird lauthals mitgesungen, obwohl der Song textlich und rhythmisch durchaus anspruchsvoll ist.

Das hebt Hecht aber auch wohltuend von den anderen Mundartpopper der Stunde ab. Das hat viel mehr Tiefe als beispielsweise ein Trauffer und auch mehr Ecken und Kanten als Kunz. Gewiss: Auch Hecht gehören eher zu der Sorglos-Pop-Fraktion, aber da steckt viel mehr Anspruch als Berechnung dahinter.

Nach knapp zwei Stunden ist  dann doch Schluss. Zuvor tanzt Hecht noch «Arsch an Arsch» auf der Bühne und das Publikum tanzt mit. Immer wieder hat es die Band geschafft bleibende Momente und Bilder zu schaffen und wegen solchen geht man an Konzerte. Wieder live erleben in der Region könne man Hecht im Dezember in der Braui in Hochdorf, wie Buck auf der Bühne verrät. Ein Heimspiel also. Wir wetten, dass es wiederum nicht lange geht, bis auch dieses ausverkauft ist. Hecht ist oben angekommen.
 

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch
 

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