Heiliger Blödsinn

KLEINTHEATER ⋅ Hat man Sinn für Klamauk, wird man das Polit-Musical «Sit So Guet, s. v. p.» mögen, diese wilde Koproduktion von Schlachthaus Theater Bern und Kleintheater Luzern, die sich das Parteiprogramm der Schweizerischen Volkspartei vorknöpft und das Schicksal der Schweiz bis ins Jahr 2019 weiterspinnt.
15. September 2017, 08:11

Die Berner Autoren Matto Kämpf und Raphael Urweider haben beim Spinnen (der Geschichte) moralische Unterstützung vom Deutschen Dennis Schwabenland (der allerdings aus dem Ruhrpott kommt) erhalten. Die Musik – durchwegs flott und breit aufgestellt zwischen Musical-Schnulze, Hip-Hop, Rock und auch orientalischem Süsskram fürs Ohr – komponierte der Berner Simon Hari. Vier Köche der Kultur, die den Zuhörer und Zuschauer im Falle dieses Musicals leicht verwirrt, doch einigermassen amüsiert zurücklassen: Offeriert wird ein Mix aus Red Curry und unverwüstlicher Cervelat.

Mit Talent zum Striptease und furchterregend blond

Das Jahr 2019 stellen sich die Autoren folgendermassen vor: Blocher weilt nicht mehr unter uns, dafür wählt inzwischen die Hälfte aller Schweizer SVP. Das Setting zu Beginn des Musicals: ein Buure-Zmorge der Partei. Mitten in dieses biedere Fest platzen Ibrahim al Merguezi (Wael Sami Elkholy), Helvetistik-Professor aus Ägypten, und Cecilia de Buurenworst (Ntando Cele), Musical-Victim aus Südafrika. Die heimischen Protagonisten: die Parteifunktionäre Roger de Cervelat (Diego Valsecchi mit toller Singstimme sowie Talent zum Striptease) und Fritz Landjäger (Dominik Gysin) samt Partnerinnen Heidi de Cervelat von Schüblig (Anna-Katharina Müller, furchteinflössend blond und streng) und Maithai Landjäger-Satay (Malika Khatir, furchteinflössend thailändisch und streng).

Wer Spass an diesen Namen hat, der ist mit ziemlicher Sicherheit auch mit dem Gesamtwerk gut bedient. Alle Freunde des geordneteren Humors dürften sich aber zumindest über die vierköpfige Band freuen, die sich am rechten Bühnenrand mit viel Spass verausgabt.

Der Ägypter ist der bessere Schweizer

Die Band trägt übrigens Bart und Fes, passend zur Handlung: Denn hier übernimmt alsbald der Orient das Ruder der SVP. Der Mann aus Ägypten erweist sich schnell mal als der bessere Schweizer und für Machtmensch Roger de Cervelat sogar als die bessere Wahl, was die Liebe betrifft. «Wär rettet d Schwitz?», singt Fritz Landjäger selbstgefällig mittendrin. Er jedoch nicht, fliegt er doch lieber nach Thailand als hierzulande von Berg zu Tal. Kollege de Cervelat? Ist liebeskrank und aus dem Wallis.

So werden denn gegen Ende die Gebetsteppiche ausgerollt und hüftenrollend wird gesungen: «Aui Schwizer si so guet ...». Bis hin zur Erkenntnis: «Who needs freedom/when you are Swiss?» Ein heiliger Blödsinn.

Susanne Holz

susanne.holz@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Vorführungen Di., 19., und Mi., 20. September, 20 Uhr, Kleintheater. www.kleintheater.ch


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