«Der Stern von Indien» verbindet Hollywood mit Bollywood

KINO ⋅ «Viceroy’s House» blickt anhand von Einzelschicksalen auf 1947, als die britische Kolonie Indien unabhängig wird. In seiner Wucht erinnert der Film an Kinoklassiker wie «Doktor Schiwago».
10. August 2017, 05:00

Es beginnt mit traumhaft schönen Bildern: 1947 kommen Lord Mountbatten und seine Gattin Edwina nach Delhi. Als Vizekönig soll der Lord die britische Kronkolonie in die Unabhängigkeit entlassen. Doch rasch ist klar: Egal, wie viele Unbekannte und Prominente, wie etwa Mahatma Gandhi, ihm zur Seite stehen: Der Auftrag aus London birgt viel Sprengstoff in sich.

Parallel zu den Ereignissen um Mountbatten (Hugh Bonneville) und dessen Frau (Gillian Anderson) wird die Liebesgeschichte zweier Bediensteter im Palast erzählt. Die Muslima Aalia und der Hindu Jeet kennen einander näher. Doch da sie verfeindeten Religionen angehören, müssen sie ihre Gefühle unterdrücken.

Politik bombardiert das Privatleben

Das Schicksal des Paares hängt allerdings nicht allein von ihrem Mut ab. Als sie Aalias Vater (Om Puri) um sein Einverständnis bitten wollen, taucht jener Mann auf, dem die junge Frau schon lange versprochen wurde. Sein Militärdienst ist zu Ende, und er will seine Verlobte heiraten. Dazu kommt die mit der Unabhängigkeit verbundene Teilung des Subkontinents in die Staaten Indien und Pakistan. Für Millionen wie Aalia und Jeet eine Katastrophe.

Familien werden getrennt. Alte Feindschaften brechen auf. Unruhen entflammen mit unzähligen Toten und Verletzten. Die Schicksale der Herrschenden, wie Mountbattens und seiner Frau, und der Beherrschten, wie Aalias und Jeets, drohen von den weltgeschichtlichen Entwicklungen erdrückt zu werden. Die Konstellation nutzt Regisseurin Gu­rin­der Chadha für eine wuchtige Erzählung und stilistische Opulenz.

Hollywood trifft auf Bollywood. Wie sicher von vielen Zuschauern erwartet, gibt es eine ausufernde Tanzsequenz. Im Stil der Traumfabrik wird viel gelitten. Doch das mutet nie kitschig an. Was daran liegt, dass Gurinder Chadha gemeinsam mit zwei weiteren Drehbuchautoren Ereignisse aus dem Leben ihrer Grosseltern in die Story hat einfliessen lassen. Das verleiht selbst Momenten emotionaler Erregung eine überzeugende Glaubwürdigkeit. Einen Grossteil seiner Wirkung bezieht der Film aus seiner visuellen Eleganz und der Erzählung, die viele Handlungsstränge raffiniert miteinander verbindet.

Peter Claus (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

 

Video: Der Stern von Indien - Trailer

Historienfilm von Gurinder Chadha. Kinostart: Donnerstag, 10. August 2017. (Tel-A-Vision, 25.07.2017)




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