Schweizerischer katholischer Presseverein: 100 Jahre im Dienste der frohen Botschaft

JUBILÄUM ⋅ Seit 100 Jahren fördert der Schweizerische katholische Presseverein christliche Medienarbeit. Die Entwicklung der Medienlandschaft hat den Verein immer wieder vor grosse Herausforderungen gestellt.
15. September 2017, 08:12

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Unser Schweizerischer katholischer Presseverein ist als Frucht des ersten Schweizerischen katholischen Pressetages in Zug vom Oktober 1916 entstanden ... So lautet wörtlich die Einführung des ersten Jahresberichtes des Schweizerischen Katholischen Pressevereins (SKPV) von 1917. Gegründet wurde er vor genau 100 Jahren mit dem Ziel der Hebung und Förderung der katholischen Tagespresse – den Gläubigen soll die Bedeutung der katholischen Medien ans Herz gelegt werden, welche die «gute Botschaft» verkünden.

Der SKPV trat auch als nationaler Dachverband der lokalen katholischen Pressevereine auf, von denen es seinerzeit vor allem in den «Diaspora-Kantonen» zahlreiche gab. Diese waren gegründet worden, um die katho­lischen Tageszeitungen in ihrer Region zu unterstützen. Dazu gehörten auch einflussreiche Blätter wie die «Neuen Zürcher Nachrichten», das «Basler Volksblatt» oder die «Oltner Nachrichten».

Vom Presse- zum Medienapostolat

Die katholische Presse sollte den Gläubigen eine Alternative zur liberalen und sozialistischen Meinungspresse bieten, waren solche Strömungen doch als feindlich angesehen. Durch mediale Umbrüche im Laufe der Zeit hat sich die Ausgangslage für katholische Medienarbeit nach und nach verändert. «Aus der konfessionellen und politischen Gesinnungspresse von einst sind Forumszeitungen geworden, die sich eine betont ideologische Ausrichtung nicht mehr leisten können. Das hat der katholischen Tagespresse den Boden entzogen. Sie existiert nicht mehr», sagt Melchior Etlin, Geschäftsführer des SKPV. Die Presselandschaft habe sich gar so stark gewandelt, dass man aus heutiger Sicht nicht mehr von einem Presse-, sondern von einem Medienapostolat sprechen müsse. Neben konfessionellen Printerzeugnissen wie etwa Pfarrblättern nutzt die Kirche mittlerweile genauso die elektronischen Kanäle.

Und doch sind Ziel und Zweck des SKPV unverändert geblieben – das Bewusstsein für die Notwendigkeit christlicher Medienarbeit sei wichtiger denn je, hält Etlin fest. Erst recht, seit dieses Bewusstsein heutzutage alles andere als selbstverständlich sei. «Aber jede Institution braucht Medien, um ihre Werte und Überzeugungen zu vermitteln und die Mitglieder darin zu bestärken», betont Etlin. Auch wenn diese «Propaganda» heute unter modernen Begriffen wie Werbung, Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing erfolge. Die Entwicklung der modernen Medienlandschaft bedeute für den SKPV und sein Medienapostolat eine «wahre Herkulesaufgabe», sagt Melchior Etlin. So habe der Verein in den letzten Jahren beispielsweise Kurse für Mediengestaltung angeboten. «Diese wurden von Medienverantwortlichen aus Pfarreien und kirchlichen Gemeinschaften auch rege besucht», so Etlin. In Zukunft sei geplant, auch für nichtkirchliche Medienleute Kurse anzubieten, die sie in Kirchenkompetenz festigen. Der SKPV überdenkt und erneuert demnach seine Ausrichtung, um den Zeichen der Zeit gerecht zu werden. Bereits sind die Statuten erneuert und den zukünftigen Aufgaben an­gepasst worden. Unverändert bleiben die katholische Prägung sowie die gezielt katholische Medienarbeit des Vereins. Er pflegt dabei eine ökumenische Offenheit, was vor allem in der Förderung des Medienverständnisses zum Tragen kommt. «Und auch in den Kontakten mit anderen in der katholischen und christlichen Medienarbeit tätigen Organisationen», fügt Etlin an.

Schwieriges Mitgliedermarketing

Der SKPV wird in erster Linie getragen von seinen 600 Einzel- und 50 Kollektivmitgliedern, von Gönnern sowie auch Sponsoren, insbesondere den Kantonalkirchen. «Wobei das Mitgliedermarketing für einen katholischen Verein – erst recht für einen Medienverein – schwierig ist», weiss der Geschäftsführer. Ein weiteres wichtiges finanzielles Standbein des Vereins sind die Übernahme von Mandaten sowie die bereits erwähnten Dienstleistungsangebote in den Bereichen Medienhandwerk, Weiterbildung, För­derung und Vernetzung von ­Medienleuten im christlichen Umfeld. Der SKPV stellt sich auch in Zukunft den Herausforderungen, welche der Wandel der Zeit mit sich bringt. Ziel und Zweck werden dabei auch weiterhin unverändert bleiben.

Am vergangenen Wochen­ende feierte der Verein sein 100-jähriges Bestehen am Ort seines Ursprungs – in Zug, wo 1916 der eingangs erwähnte katholische Pressetag ausgetragen worden war.

Hinweis

www.skpv.ch


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