«Visit Pyöngyang!»: Kleintheater zeigt Komödie über Luzern und seine Touristen

AUFTRAGSSTÜCK ⋅ Mit «Visit Pyöngyang!» hat der Luzerner Christoph Fellmann fürs Kleintheater eine Luzerner Tourismuskomödie geschrieben. Mit von der Partie sind neben internationalen Gästen der Stadtrat, Kim Jong Un, der FCL – und die Seerose.
15. April 2018, 15:12

Am liebsten wären wir mit dem Luzerner Theatermacher Christoph Fellmann eine Runde City Train gefahren, um mal zu erleben, wie es sich anfühlt, in dieser Stadt ein Tourist zu sein. Doch der blau-weisse Bummelzug fährt nicht. Also ermuntern wir asiatische Touristen bei der Seebrücke zu einem Gruppenfoto – mit dem Selfie machenden Christoph Fellmann in ihrer Mitte.

Um genau so eine Luzerner Selbstbespiegelung vor dem Hintergrund touristischer Betriebsamkeit geht es in der vierteiligen Tourismus­komödie «Visit Pyöngyang!». Die als Serie konzipierte Produktion hat das Kleintheater zu seinem 50-jährigen Bestehen bei Fellmann in Auftrag gegeben. Geplant ist am 21. April und an den darauffolgenden drei Samstagabenden je eine dreiviertelstündige «Meta»-Komödie über Luzern. Die soll sowohl als Einzelfolge wie auch als Serie funktionieren. Damit der Wiedererkennungseffekt da ist, wird ihnen der Luzerner Musiker Christov Rolla eine einprägsame Serienmelodie verpassen.

Seerose fährt vor

Das tragende Gerüst dieses Vierteilers, der am 25. Mai in einer «Binge Watching Night» auch am Stück konsumiert werden kann, ist die derzeit in Flüelen vor sich hinrostende Seerose. Die schwimmende Veranstaltungsplattform war vor drei Jahren das Herzstück einer vom Zentralschweizer Tourismusverband initiierten Feier zu 200 Jahren Tourismus in der Zentralschweiz gewesen. Fellmann liess die Seerose damals in einer Radiokolumne Amok fahren. «Ich dachte immer, dass daraus mal ein grösserer Text werden könnte», erzählt er, «am besten eine Komödie.» Also wird die Seerose, deren pink Farbüberzug das launische Seewetter längst ausgebleicht hat, im Kleintheater nochmals vorfahren – im klebrig-süssen Rosa der Luzerner Confiserie Bachmann.

Die Eskalation ist diesem wie eine Serie funktionierenden Vierteilers also von Anfang an eingeschrieben. Dass Nina Steinemann, Mitglied des blutrünstigen Splätterlitheaters, die Kostümierung übernimmt, kann man auch als Fingerzeig werten, in welche ästhetische Richtung es in der Regiearbeit von Reto Ambauen gehen wird.

Fellmann interessiert sich im Stück vor allem für das neurotische Verhältnis der Luzerner zu ihren internationalen Gästen, deren zielorientierten Konsum man zwar begrüsst, deren zielloses Herumstehen an den urbanen Knotenpunkten jedoch feindliche Reflexe auslöst. «Ich spüre hier diese narzisstische Kränkung darüber, dass sich die Touristen viel mehr für Uhren und Schokolade als für Luzern und die Luzerner interessieren», sagt er. Und das zahle man, so Fellmann, diesen Menschen mit dem gleichen Desinteresse heim. Im Kern handle seine Komödie also davon, dass Luzern nie die tollen Gäste bekomme, von denen es heimlich träume.

Die vier Schauspieler sind allesamt Eingesessene oder Zugezogene. Marco Sieber kennt man aus Produktionen des Theaters Aeternam, in dem auch Fellmann mitspielt. Patric Gehrig und Martina Binz sind feste Grössen im Zentralschweizer Theaterbetrieb. Unterstützt werden sie von Julia Schmidt, Ex-Kommissarin des Hamburger «Tatort»-Teams und ehemaliges Ensemblemitglied des Luzerner Theaters. Und weil vier für den fünfköpfigen Luzerner Regierungsrat einer zu wenig ist, übernimmt Fellmann in der zweiten Folge als Stückarchitekt das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement. Das geschlossene Auftreten des Regierungsrats wird notwendig sein. Denn in «Visit Pyöngyang!» überblenden sich nicht nur Lokal- und Weltpolitik. Es soll auch eine neue Luzerner Tourismusstrategie verkündet werden.

Doch damit nicht genug: In jeder Folge werden eng mit dem Kleintheater assoziierte Künstler einen Gastauftritt haben. Mit Matto Kämpf («Experiment Schneuwly») und Ex-«Lüthi & Blanc»-Strassenfeger Beat Schlatter gehören seifenopererprobte Gestalten dazu. Der umtriebige Kämpf hat vor einigen Jahren ein Video gedreht, welches die verwackelte Kameraästhetik internationaler Touristen einzufangen sucht, die sich ziellos durch Bern bewegen.

Frölein Da Capo wird die Ruhe im beschaulichen Luzern mit afrikanischem Liedergut durchbrechen. Und der Luzerner Comedian Johnny Burn feiert als koreanischer Machthaber Kim Jong Un mit dem FC Luzern den ersten Meistertitel seit 1989. Medienberichten zufolge soll der Despot Kim Jong Un, der bei sich zu Hause die Fussballförderung für sich entdeckt hat, zwar mehr für Inter Mailand schwärmen. Doch in dieser Komödie läuft die Realität eh nach allen Seiten aus dem Ruder!

Ein bisschen habe Fellmann die Realität beim Schreiben aber dann doch eingeholt: «Dass sich der FCL von den Abstiegsplätzen wieder an die Spitze geschoben hat, wird mich nochmals etwas Schreibarbeit kosten.»

Julia Stephan

Hinweis
«Visit Pyöngyang!» – eine Luzerner Tourismuskomödie in vier Teilen. Episode 1 mit Matto Kämpf (21. April), Episode 2 mit Frölein Da Capo (28. April), Episode 3 mit Johnny Burn und Theater Nawal (12. Mai), Episode 4 mit Beat Schlatter (19. Mai). Am 25. Mai werden alle Episoden nochmals gezeigt. Die Stargastrollen übernimmt Schauspieler Mathias Ott. Party im Anschluss.

Ab Samstag, 21. April, 20.30 Kleintheater Luzern.

Weitere Infos und Vorverkauf: www.kleintheater.ch.


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