«Wonder Woman» – Konkurrenz für Superman und Co.

KINO ⋅ Mit schwarzer Mähne, güldenem Schild und Schwert sowie sehr viel Verve schickt sich ­ Wonder Woman an, dem Superheldenkino eine weibliche Note zu verpassen. Das gelingt ganz hervorragend.
14. Juni 2017, 04:39

Matthias von Viereck, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch

Die Welt der Superhelden ist eine männliche. Zwar dürfen in Reihen wie den «Avengers» oder «X-Men» auch Heldinnen mitkämpfen (so etwa Scarlett Johansson als Black Widow); einen ganzen Film aber dürfen sie nur selten tragen. Ausnahmen bestätigen die Regel: 2004 versuchte sich Halle Berry nicht sonderlich erfolgreich als «Catwoman». Nun aber verpasst «Wonder Woman» dem mit Testosteron getränkten Superheldenkino eine ordentliche Prise weiblichen Charme.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Amazonenkriegerin mit den langen Haaren einen Auftritt in «Batman v Superman: Dawn Of Justice». Jetzt schlüpft Gal Gadot für einen ganzen Film in die Rolle der Wonder Woman. Die Regie – Novum bei einer grossen Comicverfilmung – ist ebenfalls in weiblicher Hand: Patty Jenkins legt nach «Monster» (2003) ihren zweiten Kinospielfilm vor.

Dem kriegerischen Treiben ein Ende setzen

Ihren Ursprung hat die Figur der Wonder Woman in einem vor 76 Jahren erstmals veröffentlichten US-Comic. Die filmische Adaption nun beginnt auf einer kleinen, nur von Amazonen bewohnten Insel namens Themyscira, einst zum Leben erweckt von niemand Geringerem als Göttervater Zeus. Auf diesem paradiesischen Eiland wird die kleine Diana von ihrer Tante (Robin Wright) in die Kunst des kriegerischen Zweikampfes eingeweiht.

Vollends zur Wonder Woman wird Diana erst heranreifen, als ein mysteriöser Zwischenfall das trügerische Idyll der Amazonen erschüttert: Wonder Woman muss einen abgestürzten Kampfpiloten aus dem Meer retten (Chris Pine, «Star Trek»). Steve, so des Soldaten Name, berichtet von grausamen Dingen. Wir schreiben das Jahr 1918, der Erste Weltkrieg liegt in den letzten Zügen. Zusammen mit Steve verlässt Wonder Woman schliesslich Themyscira, wild entschlossen, dem kriegerischen Treiben ein Ende zu setzen.

Gadot überzeugt, ­ Pine nicht

Gal Gadot, einst zur Miss Israel gekürt, hat sich als Darstellerin bisher vor allem durch ihre Auftritte in der «Fast & Furious»-Reihe hervorgetan. Nun schlüpft die 32-Jährige ins Kostüm der vielleicht bekanntesten Superheldin überhaupt; und diese Verwandlung gelingt ihr erstaunlich gut: Ihre Wonder Woman ist so sehr schlagkräftige Powerfrau, wie sie empfindsam ist. Gadot, die auch als Model gearbeitet hat, weiss ihre weiblichen Attribute in Szene zu setzen; einer allzu platten, gar sexistischen Inszenierung beugen Gadot und Regisseurin Jenkins aber jederzeit vor. Chris Pine derweil, der artig an Wonder Womans Seite kämpft, enttäuscht ein wenig. Dies vor allem im direkten Vergleich mit seinem Auftritt in «Hell Or High Water». Pine kann mehr, das hat er bewiesen. Denkbar, dass er sich hier zurückhält, um Wonder Woman den Vorrang zu lassen.

Bei allen Schwächen, die auch diese Comic-Adaption plagen – so sind die Bösen recht eindimensional angelegt –, ist es vor allem der naive Charme der Kriegerprinzessin, der den Film beseelt. Wonder Womans Glaube an das Gute, ihr Glaube daran, dass sie allein den Horror des Ersten Weltkriegs beenden kann, ist tatsächlich rührend. Während uns ein Spider-Man stets einbläut, dass mit grosser Macht «grosse Verantwortung» einhergehe, setzen Jenkins und Gadot ganz auf die Kraft der Liebe: Nur diese könne die Welt wirklich retten. Nach vielen düsteren Comic-Verfilmungen in den vergangenen Jahren ist dies eine überraschend positive, durch keinerlei Ironie gebrochene Aussage. Dass diese Botschaft nicht lächerlich wirkt, liegt nicht zuletzt an der wunderbaren, zuweilen die ganze Leinwand illuminierenden Eleganz der Gal Gadot.

Bewertung: 3 von 5 Punkten

Video: Wonder Woman - Trailer

Comicverfilmung von Patty Jenkins. Kinostart: Donnerstag, 15. Juni 2017. (Tel-A-Vision, 30.05.2017)

Video: Agengers 2: Age Of Ultron – Trailer

Als Tony Stark ein stillgelegtes Friedensprogramm reaktiviert, gerät die Situation plötzlich ausser Kontrolle und die Avengers müssen sich erneut verbünden, um die Erde vor ihrer Zerstörung durch den scheinbar übermächtigen Ultron zu bewahren. Ab 23. April im Kino. (youtube.com, 20.04.2015)


Video: X-Men Apocalypse - Trailer

Apocalypse nennt sich der mächtigste Mutant der X-Men-Welt. Als er nach einem Jahrtausende dauernden Schlaf erwacht, ist er enttäuscht und beginnt fortan Mutanten zu rekrutieren, um eine neue Weltordnung zu schaffen. Das Schicksal des Universums liegt - wiedermal - in den Händen der Mutantentruppe um Raven (Jennifer Lawrence) und Prof. X (James McAvoy). Regie: Bryan Singer. Kinostart: 19. Mai 2016. (youtube.com, 04.01.2016)



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