Kostbarkeiten einer Königin

REGULA MÜHLEMANN ⋅ Die Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann hat eine CD mit Barock-Arien aufgenommen. Diese hat sie der schillernden Figur der Cleopatra gewidmet. Aber mit ganz eigenen Farben.
13. September 2017, 19:39

Stefan Degen

stefan.degen@luzernerzeitung.ch

Um die historische Kleopatra VII. (69 v. Chr. bis 30 v. Chr.) ranken sich viele Mythen. Sie herrschte als letzte Königin des ägyptischen Ptolemäerreiches und war zugleich der letzte weibliche Pharao. Sie liebte leidenschaftlich (nacheinander) zwei Römer: Gaius Julius Caesar und Marcus Antonius. Mit Letzterem beging sie Selbstmord. Ein Stoff, der Künstler aus allen Epochen faszinierte.

So ist es nicht verwunderlich, wenn auch heute die Figur der Cleopatra eine Sängerin zu einem Konzeptalbum inspiriert. Nach ihrer hochgelobten CD mit Mozart-Arien legt Regula Mühlemann jetzt ihr zweites Album vor. Es ist ganz aus einem Guss und handelt von verschiedenen Cleopatras der Geschichte. Es existieren etwa 80 Opern rund um den Topos Cleopatra. Die für die CD ausgewählten Werke des 17. und 18. Jahrhunderts repräsentieren verschiedene Lesarten einer schillernden Frauenfigur. Sie lassen das Denken und Fühlen der Barockzeit nachempfinden.

Viele Emotionen eingefangen

So bleibt viel Spielraum für eine innovative Sängerin wie Regula Mühlemann. Sie hat das reiche Material von acht Komponisten gesichtet und eine interessante Auswahl getroffen für die CD, die mit 13 Tracks aufwartet. Die Sopranistin wollte möglichst viele Emotionen auf dem Album vereinen. Das ist ihr gelungen.

Im sehr informativen Booklet zur CD sind auch Skizzen abgebildet mit Zeichnungen und Notizen, die Regula Mühlemann während des Schaffensprozesses festhielt. Ihre eigene Handschrift – im wahrsten Sinn des Wortes. Sie analysiert unter anderem die Königin, den Menschen, die Verführerin und die Unberechenbare. Das originelle Booklet liefert zudem reichhaltige Informationen über die Komponisten und bezieht hübsche Anekdoten mit ein. Selbstverständlich sind auch die Texte der Rezitative und Arien abgedruckt.

Regula Mühlemann steigt gleich mit dem ersten Stück fulminant ein: Die Arie «Tra le procelle assorto» aus Carl Heinrich Grauns «Cesare e Cleopatra» wartet mit Koloraturkaskaden auf. Die 31-Jährige singt diese mit glockenreiner Stimme ohne jede Anstrengung. Weiter geht es mit Händel («Giulio Cesare in Egitto»). Die melancholische Arie «Se pietà di me non senti» gestaltet die Sopranistin absolut stilsicher und sehr differenziert.

Bekannt ist auch die Oper «Marc’Antonio e Cleopatra» von Johann Adolf Hasse. Daraus singt Mühlemann gleich zwei Preziosen. In «Morte col fiero aspetto» scheut sie sich nicht, das Wort «morte» scharf akzentuiert zu deklamieren. Und in «Quel candido armellino» lässt sie einschmeichelnde lange Melodienlinien erklingen.

Die weiteren facettenreichen Arien stammen von Alessandro Scarlatti, Antonio Vivaldi, Giovanni Legrenzi (ein intimes Stück), Johann Mattheson (die einzige Arie auf einen deutschen Text) und von Antonio Sartorio.

Regula Mühlemann gelingt es für jede der Arien – manche sind wahre Kostbarkeiten – eigene Farben und Klangschattierungen zu finden. Dabei phrasiert die Sopranistin stets geschmackvoll und stilsicher, aber auch höchst virtuos. Wer sagt da noch, Barockmusik sei langweilig?

Begleitet wird die Sängerin vom La Folia Barockorchester, das überaus differenziert auf alten Instrumenten spielt (Leitung: Robin Peter Müller). Mit ihren Cleopatra-Arien wird Regula Mühlemann im kommenden Jahr auf Tournee gehen.

Hinweis: Regula Mühlemann, Cleopatra, La Folia Barockorchester, Robin Peter Müller, Sony classic. www.regulamuehlemann.com


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