Kritische Pressestimmen zum Luzerner Tatort «Zwei Leben»

TV ⋅ Am Sonntag flimmerte der Schweizer Tatort «Zwei Leben» über die Fernsehbildschirme. Kritische Pressestimmen kommen vor allem aus Deutschland - aber nicht nur.
18. September 2017, 12:09

«Liebe Schweizer, sagt es doch einfach, wenn ihr keine Lust mehr auf den Tatort habt», so schonungslos beginnt die TV-Kritik der «Frankfurter Allgemeinen». Der Schweizer Tatort mit Austragungsort Luzern liess besonders bei unseren Deutschen Nachbarn Kritik laut werden. Die Frankfurter Allgemeine treibt es dabei auf die Spitze: «Es spricht nichts dagegen, sich auf psychologisierende Stücke zu verlegen, aber den Zuschauer neunzig Minuten lang mit depressiven Charakteren zu quälen (...) muss als Nötigung gelten.»

Zumindest sieben von zehn Punkten gibt der «Spiegel» dem Tatort «Zweit Leben». Besonders kritisch sieht der Spiegel den Plausibilitätsfaktor der Folge: «Meister Zufall hat ein bisschen viel beim Plot geholfen.» Weiter sei das kein Tatort, der ein Wohlfühlende verspricht. «Hier werden kompromisslos die Lebenden mit den Toten konfrontiert», so der Spiegel. 

Die «Süddeutsche Zeitung» gibt zumindest auch den gelungenen Szenen des Luzerner Tatorts Platz. Die Pointen kamen an, wurden besonders in der Person von Regierungsrat Eugen Mattmann gut umgesetzt, resümiert die Süddeutsche. Trotz guter Szenen fällt das Schlussurteil relativ ernüchternd aus: «Im neuen Luzerner Tatort jagen die Kommissare einem Phantom hinterher. Leider verrennt sich «Zwei Leben» dabei heillos in Klischees.»

Kritik auch aus der Schweizer Presse

Das mit den Klischees bemängelt auch der «Tagesanzeiger»: «Das Drehbuch spult Krimi-Klischees ab, und die Inszenierung versucht, dies mit Pathos zu übertünchen.» Es liege auch nicht an den Darstellern Stefan Gubser und Delia Mayer, dass sie die Uninspirierteste aller Luzerner Tatortfolgen sei. Vernichtend schon fast das Schlussurteil vom Tagi: «Der Schweizer Tatort erreicht mit der Folge «Zwei Leben» einen Tiefpunkt – und das nicht, weil einer zu Beginn von der Brücke stürzt.»

Der «Blick» stört sich daran, dass an der Stadt Luzern «vorbeigefilmt» wurde: «Es gelingt nahezu perfekt, an Luzern vorbeizufilmen und eine Allerweltsstadt zu zeigen.» Allerdings gelte es die schauspielerische Leistung von Stephanie Japp als Dr. Sonja Roth zu würdigen. Die «Neue Zürcher Zeitung» sieht dann aber doch auch einige positiven Aspekte des Luzerner Tatorts. So zum Beispiel der Charakter von Busfahrer Beni Gisler (Michael Neuenschwander), der Drehn- und Angelpunkt der Geschichte sei. Und: «Es ist die posttraumatische Belastungsstörung, die in diesem Tatort die Hauptrolle spielt und ihn so sehenswert macht.»

Twitter-Reaktionen auf den Luzerner Tatort:

Sara Häusermann

 

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