Disharmonie bei Philharmonie-Eröffnung

KLASSIK ⋅ Frankreichs Präsident François Hollande hat am Mittwochabend die neue Philharmonie in Paris eröffnet. Das erste Konzert in dem 2400 Zuschauer fassenden Saal war den 17 Opfern der islamistischen Anschläge in der französischen Hauptstadt gewidmet.

"Die Terroristen wollten die Kultur treffen", sagte Hollande mit Blick auf die Attentäter von Paris. "In der vergangenen Woche wollten drei Mörder einen schwarzen Schleier, einen Schleier des Schreckens über unser Land werfen (...), es ist ihnen nicht gelungen", sagte Hollande.

Die Kultur Frankreichs sei aber noch "immer bedroht". Gleichzeitig lobte Hollande das "aussergewöhnliche" Konzerthaus und nannte dessen Eröffnung ein herausragendes Kulturereignis.

Der Bau der Philharmonie im Nordosten von Paris dauerte acht Jahre und kostete 386 Millionen Euro, drei Mal so viel wie ursprünglich vorgesehen. Der grösste Konzertsaal bietet 2400 Gästen Platz.

Streit um Eröffnungstermin

Zur Eröffnung war die Elite des französischen Kultur- und Politikbetriebs eingeladen. Star-Architekt Nouvel blieb der Gala jedoch fern. "Die Philharmonie öffnet zu früh", schrieb Nouvel in einem in der Zeitung "Le Monde" veröffentlichten Artikel. Der Zeitplan zur Inbetriebnahme des Konzerthauses verstosse gegen "architektonische und technische Anforderungen".

Nouvel, der unter anderem auch das Kultur- und Kongresszentrum Luzern KKL geschaffen hat, weist die Verantwortung für die Kostenexplosion in Paris zurück. Er hält es für unverantwortlich, dass das Bauwerk nun schon eingeweiht wird, obwohl die Arbeit an dem Gebäude noch nicht abgeschlossen seien und die Musiker nicht genügend Zeit gehabt hätten, um in dem neuen Saal zu proben. Aus Sicht der Architekten werden für die Fertigstellung des Gebäudes noch Monate benötigt.

Der Direktor der Philharmonie, Laurent Bayle, verteidigte die Eröffnung des Neubaus. "Wir haben die Eröffnung schon um sechs Monate verschoben. Eine erneute Verzögerung hätte viel Geld gekostet", sagte er der Zeitung "Le Parisien". Zudem stehe das musikalische Programm bereits seit eineinhalb Jahren fest.

"Unvergleichliches Live-Erlebnis"

Der britische Dirigent Douglas Boyd, der ab Juli die Leitung des Pariser Kammerorchesters übernimmt, freut sich trotz des Streits auf seine neue Aufgabe. Paris könne sich einiger "grosser, historischer Konzertsäle" rühmen, sagte Boyd. "Aber die Philharmonie verspricht in Sachen Akustik ein unvergleichliches Live-Erlebnis."

Die Sitze in dem Konzerthaus sind rund um die Bühne angeordnet. Keiner der Zuschauer sitzt weiter als 32 Meter entfernt vom Dirigentenpult.

Der Komplex im Parc de la Villette gleicht mehreren ineinander verschobenen riesigen Steinplatten. Der 23'000 Quadratmeter grosse Bau besteht aus sechs Geschossen und umfasst einen Hauptsaal, fünfzehn Proberäume unterschiedlichster Grösse, ein Zentrum für Musikausbildung sowie ein Restaurant und Café. (sda/dpa)


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