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Romeo und Julia im Orchester

KKL ⋅ Das Philharmonia Orchestra interpretierte die szenische Sinfonie «Roméo et Juliette» von Hector Berlioz – und war der eigentliche Protagonist.

Festivals dienen dazu, Werke aufzuführen, die man gemeinhin im Konzertalltag selten oder nie hören kann. Zu diesen zählt gewiss «Roméo et Juliette» von Hector Berlioz. Schon von der Gattung her fällt das Werk eigentlich zwischen Stuhl und Bank. Ist es eine Oper, eine Kantate, ein Oratorium, ein Ballett oder eine Sinfonie? Am ehesten trifft Sinfonie zu, auch wenn es mit einer Sinfonie im klassischen Sinn wenig zu tun hat. Aber was ist es gefühlsmässig? Um es auf den Punkt zu bringen: eine hochromantische Erinnerung an eine auf dem Theater gespielte Szene, wobei die Handlung gegenüber dem Original einige einschneidende Veränderungen erfahren hat, ohne jedoch an der Substanz der unsterblichen Liebesgeschichte zu rühren. Allerdings muss man alles vergessen, was man mit Hochromantik gemeinhin verbindet. Denn die von Berlioz erzeugten Klangbilder haben etwas absolut Originales. Man kann gut verstehen, dass der junge Richard Wagner (mit 26) so sehr beeindruckt war und sich ihm eine neue Welt des musikalischen Ausdrucks auftat. Denn so etwas hatte es vor Berlioz nicht gegeben: Ein Orchester, das wie eine Orgel Klangregister hergibt, die total verschieden sind.

Es gibt Dirigenten wie Norrington, die diese Vielfalt der Klangregister schon in der Aufstellung sichtbar machen. Esa- Pekka Salonen tat es nicht, realisierte aber den exzentrischen Berlioz-Stil mit einer gestalterischen Radikalität und spieltechnischen Perfektion, dass einem oftmals der Atem wegblieb. Der Finne war mit dem Philharmonia Orchestra, dem er seit 2008 als Chefdirigent vorsteht, schon am Anfang seiner Karriere stark verbunden. Wie sehr er und der Klangkörper aufeinander eingestimmt sind, zeigte sich gleich bei dem unglaublich schneidig und präzis gespielten Streicher-Fugato in der Introduktion. Wie immer wieder einzelne Instrumentengruppen oder Kombinationen von Soloinstrumenten eingesetzt wurden, verriet den Klang-Alchemisten Berlioz, zeigte aber auch die einzelnen Register bis zu den exzellenten Holzbläsern, Hörnern und Posaunen von einer seltenen Qualität.

Zwei orchestrale Zentren

Als eigentliche Zentren schälten sich auch in dieser denkwürdigen Aufführung «Scène d’amour» und «Roméo au tombeau» heraus, die nur dem Orchester anvertraut sind. Wie dieses hier bis an die unterste Piano-Schwelle zu gehen wagte, die Melodie einfühlend kultivierte und die Spannung über die ganze Dauer aufrechterhielt, brachte die Poesie dieser Szenen zu schönster Blüte. Naheliegend, dass die vokalen Protagonisten eher an den Rand gedrängt wurden, obwohl auch sie sich durch eine hohe Qualität auswiesen: die Mezzosopranistin Christianne Stotijn, der Tenor Paul Groves, beide keine Personendarsteller, sondern Zustandsschilderer, und nicht zuletzt der Philharmonische Chor der Stadt Bonn, der sich bestens bewährte und zusammen mit dem Bassbariton Gerald Finley (Père Laurence) das Werk mit überwältigender Klangmacht zu einem versöhnlichen Ende führte.

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