Einfallsreiche arabische Komödie

KINO ⋅ «Barakah Meets Barakah» erzählt in leichtem Ton von einem jungen Paar. Der saudi-arabische Film überrascht durch seine Konstruktion.

Schauplatz ist die Millionenstadt Dschidda an der Küste des Roten Meeres. Der junge Barakah arbeitet als sogenannter Ordnungsbeamter für die Stadtverwaltung: Er fährt mit seinem Pick-up umher und kontrolliert, ob die Regeln im öffentlichen Raum eingehalten werden.

Liebe auf den ersten Blick

So muss er etwa einen Ladenbesitzer massregeln, der für seine Warenauslage zu viel Platz beansprucht. Ein anderes Mal wird er an den Strand beordert, weil dort ein unbewilligtes Shooting stattfindet. Gefilmt wird die hübsche Bibi, die als Mode-Bloggerin eine Berühmtheit ist. Barakah ist sofort fasziniert von ihr, und auch Bibi findet den naiven Beamten sympathisch. Sie treffen sich heimlich, denn die öffentliche Ordnung erlaubt nur sehr eingeschränkten Kontakt zwischen Unverheirateten. Die beiden geben jedoch nicht so schnell auf.

Eine romantische Komödie aus Saudi-Arabien? Dazu noch eine Komödie, die subtil, aber gleichwohl mit satirischer Schärfe die gesellschaftlichen Verhältnisse im Land aufs Korn nimmt (Beschränkung individueller Freiheiten, Rolle der Religion, Frauenrechte)? Ja, das scheint tatsächlich möglich zu sein, obwohl das Spielfilmdebüt des jungen, 1983 in Dschidda geborenen Regisseurs und Drehbuchautors Mahmoud Sabbagh offenbar noch nicht in der Heimat gezeigt worden ist (er hat in den USA studiert).

Mahmoud Sabbagh versteht sich dabei nicht zuletzt als eine Art Pionier, da eine Spielfilm-Wirtschaft in Saudi-Arabien eigentlich kaum existiert. Er habe mit seinem Erstling versucht, Saudi-Arabien als Land in einer Übergangsphase zu zeichnen: «Ich wollte einen Film über die Jugend Saudi-Arabiens machen.» Der Film schildert Barakahs und Bibis Suche nach Freiheit witzig und abwechslungsreich. Realität und Traum stehen dabei manchmal brüsk und fast nicht unterscheidbar nebeneinander, denn Barakah, der in seiner Freizeit für eine Laienbühne in Shakespeares «Hamlet» mitspielt (als Ophelia!), wird oft von (Tag-)Träumen heimgesucht. Fazit: «Barakah Meets Barakah» ist eine charmante, erstaunlich tiefsinnige Komödie.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Tragikomödie von mahmoud Sabbagh. Kinostart: 15. September 2016. (cineman.ch, 14.09.2016)


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