Lachen bezwingt «Höll und Teufel»

MATTHÄUSKIRCHE ⋅ Ganz im Fokus auf Johann Sebastian Bach, überzeugte die junge Bach-Akademie Luzern in herausragender Einheit. Ein strahlender Chor, ein präzise agierendes Orchester und hervorragende Solisten boten ein gelungenes Konzert.
17. April 2018, 08:20

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Osterlaufen und Osterlachen sind mittelalterliche liturgische Bräuche, und in Johann Sebastian Bachs Osteroratorium leben sie lautmalerisch wieder auf. Da kann man die Freude über die Auferstehung Jesu hören, zumal, wenn die Musik so zwingend und in historisch informierter Aufführungspraxis erklingt wie am Sonntag in der gut besuchten Matthäuskirche Luzern.

Die 2015 gegründete Bach-Akademie Luzern konzentriert sich ganz auf die Musik von Johann Sebastian Bach, und die jungen Musiker und Sänger zeigten eindrucksvoll, wie sehr sie sich in die barocken Klänge einfühlen können. Im Gegensatz zum schon lange bestehenden Bach-Ensemble Luzern, das Kompositionen von Bach mit anderen kombiniert, will sich die junge Bach-Akademie voll und ganz auf Bach fokussieren.

Spannung dank gleich zwei Bach-Formationen

Auch durch den kleineren professionellen Chor und die historische Stimmung unterscheidet sich die Bach-Akademie vom Bach-Ensemble. Es ist jedenfalls spannend, zwei Ensembles, die den Namen des grossen Komponisten im Titel tragen, in Luzern zu haben. Dass inzwischen fast überall die historisch informierte Aufführungspraxis gepflegt wird, gibt der jungen Bach-Akademie Luzern und ihrem Projektleiter Martin Caduff zukunftsweisende Entfaltungsmöglichkeiten.

Im Konzert am Sonntag bildeten Chor, Orchester und Solisten eine herausragende Einheit, Dirigent Pascal Mayer formte mit klaren Gesten auch kleinste Verzögerungen und Steigerungen sensibel aus. Glanzvoll und zügig erklang der Eingangschor im «Magnificat» BWV 243. Das Orchester artikulierte präzise und klangschön im «Et exsultavit», das Maja Bader mit leicht geführtem Sopran fast schweben liess. Wie sich Oboe (Maria Raffaele) und der warm timbrierte Sopran von Gunhild Lang-Alsvik in «Quia respexit» einander anglichen, war ein erster Höhepunkt. Ebenso überzeugten Countertenor Jan Börner und Tenor Remy Burnens im Duett «Et misericordia» durch fein kontrastierende Stimmen, Flurin Caduff sang seine Arie mit dunkel kraftvollem Bass.

Magische Stimmen der Sopranistinnen

Geradezu magisch klangen die Stimmen der beiden Sopranistinnen und des Countertenors im «Suscepit Israel» zum wundervoll intonierten Choral der Oboe; der Chor folgte mit zunächst archaischem Klang in den klaren Fugato-Einsätzen und steigerte sich im Gloria zu jubelnder Pracht.

Nach der einleitenden Sinfonia des Osteroratoriums BWV 249 mit Pauken und Trompeten, die mit Schwung und dynamisch hoch differenziert interpretiert wurde, spielte Louis Martinez das Flötensolo im Adagio ausdrucksvoll. Der Chor setzte dann so auffordernd mit «Kommt, eilet und laufet» ein, dass man gerne mitgelaufen wäre. Das «Lachen und Scherzen» sangen Tenor- und Bass-Solist mit mühelosen ­Koloraturen, die der Chor leicht federnd aufnahm.

Die Rezitative sind den handelnden Personen zugeschrieben, und so gestalteten die Solisten als Maria Magdalena, Maria Jacobi, Petrus und Johannes staunend die Kunde vom leeren Grab. Gunhild Lang-Alsvik verlieh den «Spezereien» in ihrer Arie zauberischen Wunderklang und umspielte die Girlanden der Flöte mit in allen Lagen volltönend warmer Stimme. Sanft spielten die beiden Oboistinnen auf den Blockflöten die wiegenden Begleitfiguren in der Tenorarie, in der Remy Burnens den Schlummer mit langem Atem und inniger Ruhe aussang. In der raschen Altarie «Saget, saget mir geschwinde» gab es ein Innehalten, das Jan Börner mit seiner weich zeichnenden Stimme besonders ausmalte.

Obwohl sich auch im Schlusschor in den Trompeten kleine Unsicherheiten einschlichen und die Pauken etwas mehr Klarheit vertragen hätten, gestalteten Chor und Orchester die Lobpreisung kraftvoll und klangschön. Wie die Sänger «Höll und Teufel sind bezwungen … dass man es im Himmel hört» siegesgewiss jauchzten, brachte die Osterbotschaft nochmals strahlend in die Kirche. Die Zuhörer dankten mit langem Applaus und Bravorufen.


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