Neuer Dan-Brown-Roman: Langdon stösst auf erschreckende Zukunftsvision

ROMAN ⋅ Mit «Origin» hat US-Starautor Dan Brown das fünfte Buch um den berühmten Professor Robert Langdon veröffentlicht. Die Machart des Thrillers gefällt, ist aber allmählich etwas ausgereizt.
07. Oktober 2017, 09:52

Eines muss man Dan Brown lassen: In Sachen Spannung aufbauen steht der US-Autor niemandem nach. Sein neuer Thriller «Origin», vor drei Tagen erschienen (vergleiche Seite 2 unserer Mittwoch-Ausgabe), ist gespickt mit geheimnisvollen Dialogen sowie falschen Fährten und liest sich flüssig vom ersten bis zum letzten Satz. Eine typische Dan-Brown-Story eben, in welchem der berühmte Harvard-Professor Robert Langdon erneut auf Abenteuer geschickt wird, um ein Geheimnis von unermesslichem Ausmass zu lüften. In der Buchreihe um den Symbologie-Experten ist es nach «Illuminati», «Sakrileg» (The Da Vinci Code), «Das verlorene Symbol» und «Inferno» das fünfte Werk.

Schauplatz sind diesmal mehrere Städte in Spanien: Die Handlung beginnt im Guggenheim-Museum in Bilbao im spanischen Baskenland. Ein Computerwissenschafter und ehemaliger Student Langdons will dort seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse enthüllen, die Antworten auf «zwei fundamentale Fragen der Menschheit» liefern sollen – Fragen zu unserem Ursprung und unserer Bestimmung. Doch es kommt, wie es kommen muss: Jemandem gelingt es, die Präsentation mit Gewalt zu stoppen, worauf die Veranstaltung im Chaos endet. Der Tat verdächtigt werden hochrangige Vertreter der katholischen Kirche und sogar der spanischen Krone, welche die Welt der Gläubigen durch die Erkenntnisse des Wissenschafters in Gefahr sehen.

Schnitzeljagd in attraktiver Begleitung

Für Robert Langdon, der sich ebenfalls im Museum befindet, beginnt die risikoreiche Suche nach Hinweisen, um das Geheimnis ans Licht zu bringen. Auf seinen an eine Schnitzeljagd erinnernden Recherchen wird er unverhofft von der bildschönen, prominenten Museumsdirektorin Ambra Vidal begleitet, die persönliche Verbindungen zum Königshaus hat. Ihr gemeinsamer Weg führt sie nach Barcelona, wo sie fündig werden und auf eine erschreckende, computerbasierte Zukunftsvision stossen.

Wer frühere Werke des Autors kennt, dem dürfte diese Dramaturgie bekannt vorkommen. In der Tat gestaltet sich der Aufbau von «Origin» sehr ähnlich wie in den vorherigen Langdon-Romanen – mitsamt der obligaten Auflösung zum Schluss, die nicht immer ganz befriedigend ist, weil die Erwartungen durch die Story ernorm hochgeschraubt werden. Dies gilt auch für «Origin». Und doch: Indem Dan Brown ein hochaktuelles Problem der heutigen Zivilisation auf die Spitze treibt, schafft er es, auf unterhaltsame Art zum Denken anzuregen.

Dass es hinsichtlich des Buchaufbaus keine Überraschungen gibt, ist nicht weiter störend – zumindest nicht für diejenigen, die einen typischen Dan-Brown-Schinken erwarten. Sein bewährtes Erfolgsrezept, das auf dem faszinierenden Wechselspiel von Religion und Wissenschaft sowie von Wirklichkeit und Fiktion beruht, funktioniert auch diesmal. Überdies fühlt man sich nach dieser Lektüre voller Details zu Architektur, Kunst, Geschichte und Wissenschaft wieder etwas gescheiter. Interessante Figuren wie gläubige Wissenschafter, intrigante Kleriker sowie geschichtsträchtige Orte wie die Sagrada Familia in Barcelona tun das Ihre, um dem Buch einen aufregenden Rahmen zu geben.

Dennoch stellt sich nach der Lektüre die Frage, ob in Hinblick auf ein weiteres Buch Dan Browns inhaltliches Rezept nicht allmählich etwas ausgereizt ist. Wie viele Geheimnisse, die unser heutiges Weltbild umkrempeln würden, will er denn noch entdecken?

Gabriela Jordan

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