Luege, lose, laufe, rouche, schnufe

LITERATUR ⋅ Pedro Lenz taufte mit dem Kontrabassisten Michael Pfeuti am Dienstagabend im Luzerner Neubad seinen neuen Spoken-Word-Band «Hert am Sound». Es sind Texte über Zugfahrten und Rauchpausen.
09. November 2017, 04:40

Luzern am Dienstagabend. Pedro Lenz sitzt in gemütlicher Runde im Neubad-Bistro. Vorgestern war er in Sursee, übermorgen wird er in Ballwil sein. Seine Lebensader: das Schweizer Zugnetz. Seine Nabelschnur, die Stadt Olten. Sie wird ihn auch heute Abend zurückholen – beladen mit Geschichten, die Lenz der Welt beiläufig abgelauscht hat. Die auf allen Kanälen erzählen – in der Zeitung, im Radio, im Kino. Der Name der Spoken-Word-Gruppe Bern ist überall, welcher Lenz angehört, gilt auch für ihn selbst: Pedro ist überall.

Im Neubad isst der Erfolgsautor erst einmal eine Suppe, hört zu, und wartet. Gleich wird er sein neues Buch taufen. Es ist nach den Geschichten, die er fürs Radio geschrieben hat und dem von Sabine Boss verfilmten Erfolgsroman «Der Goalie bin ig» das dritte, das Lenz innerhalb der auf Spoken-Word-Dichtung spezialisierten Edition Spoken Script des Luzerner Verlags Der Gesunde Menschenversand veröffentlicht hat.

«Luft holen und öppis us der Luft usehole»

«Hert am Sound», das sind 18 thematisch gruppierte und unveröffentlichte Spoken-Word-Texten über Zugfahrten, Rauchpausen, Radiodauerberieselung und über alles, was sich in solchen Momenten zielloser und ausgekosteter Passivität in einem Literatenhirn zusammenbraut, das sich in Beizen, Bahnhöfen und auf anderen flüchtigen Begegnungsinseln aufhält und manchmal auf ihnen absackt.

Als «Luft holen und öppis/us der Luft usehole» umschreibt Lenz das dichterische Entstehungsprinzip seiner Texte in der Kurzgeschichte «Fahre». Es scheint, als habe Lenz die Verhaltensregel für Schulkinder beim Überqueren von Verkehrsstrassen zu seiner Poetik erhoben: «Luege, lose, laufe.» «Rouche und schnufe» müsste man in Pedro Lenz’ Fall ergänzen: «Bi ufg­stange dä Morgen und ha/no gar nüt gno, no gar nüt gmacht/ussert schnuufen und rouche».

Als der Autor schliesslich auf der Bühne steht, trägt er rote Sneakers und eine Kombination aus grauem Anzug und T-Shirt. Der lange, biegsame Körper schaukelt beim Erzählen bedächtig vor und zurück. Genauso, wie seine Geschichten ungelenk vor- und zurückschaukeln, mal eine Extrarunde mit dem Zug durch «Dietike, Zumike» und «Zollike» drehen, oder sich weit aus dem Fenster lehnen und über die klappernden Flipflops einer Passantin staunen – obwohl der Erzähler nur «Gschwöuti» kochen will.

Lenz bleibt dabei «Hert am Sound» insofern, dass er weniger auf den Ausbau der Geschichten setzt, als darauf, den Ton der Stimmungen zu treffen, die sie evozieren. Den repetitiven Groove dieser Bühnentexte, die sich in Wortreihungen manchmal auch bis zur Unerträglichkeit ausdehnen können, murmelt Kontrabassist Michael Pfeuti ohne Kontra auf der Bühne monoton mit.

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Pedro Lenz, Hert am Sound. Der gesunde Menschenversand, 186 S., Fr. 29.90. Lenz liest am 9.11., 20 Uhr aus dem Roman «Die schöni Fanny» im Gemeindesaal Ballwil.


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