Marcia Hafif macht Farbexperimente

AUSSTELLUNG ⋅ Die Ausstellung heisst "Marcia Hafif". Einen Titel braucht sie nicht, denn die betagte amerikanische Künstlerin spricht für sich und zwar im Kunstmuseum St. Gallen und im Kunsthaus Baselland.
15. September 2017, 15:38

Die 88-jährige Künstlerin könne zur Eröffnung ihrer Ausstellung nicht nach St. Gallen kommen, weil sie einen Oberschenkelhals gebrochen habe. "Vielleicht kommt sie im Oktober", sagte Roland Wäspe am Freitag vor den Medien in St. Gallen. Die Bilder der Amerikanerin mit ungebrochener Schaffenskraft sind in den nächsten Monaten in St. Gallen (16. September bis 14. Januar) und in Muttenz (15. September bis 12. November) zu sehen.

Viel zu sagen gibt es ohnehin nicht zu den Arbeiten der Künstlerin, die mit ihren konzeptuellen Untersuchungen zu Farbe und Struktur des Tafelbildes ganze Generationen von Künstlerinnen und Künstlern beeinflusst hat. Hafifs Bilder brauchen keine Erklärungen, sie sprechen durch ihre Farben. "Jeder hat einen individuellen Zugang zu ihnen, denn zu Farben haben wir eine emotionale und intuitive Beziehung, sagte der Kurator.

Meditatives Spektrum

Auf den ersten Blick wirkt das einzelne Bild radikal einfach - unspektakulär fast. In der Kombination ist ihre Wirkung aber verblüffend, wie eine lange Reihe von 93 einfarbigen Bildern im Oberlichtsaal eindrücklich zeigt. Den langen Wänden entlang hängt Werk an Werk. Eigentlich umfasse die Werkgruppe "An Extended Gray Scale" 106 Bilder. "Aus Platzmangel mussten wir ein wenig schummeln", gestand Wäspe.

Die Farben der 93 Bilder reichen von ganz weiss über weiss, hellgrau, mittelgrau, dunkelgrau bis schwarz. Oder muss man sagen dunkelschwarz? Steht man vor zwei Bildern, ist kein Farb-Unterschied auszumachen - wobei weiss und schwarz eigentlich gar keine Farben sind. Erst der Gesamtblick erweckt das Spiel zwischen Weiss und Schwarz zum Leben. Die Galerie entlang zu schreiten, ist wie meditieren.

Strich für Strich

Ins Meditieren kommt die Künstlerin wahrscheinlich, wenn sie an ihren Strichzeichnungen arbeitet. Begonnen hat Hafif mit den unkonventionellen Bleistiftzeichnungen in den 70-er Jahren. Bis heute bringt die betagte Frau Strich für Strich auf Papier. Die jüngsten Werke hat Hafif in diesem Jahr gezeichnet. "Ich habe sie ihr sozusagen aus dem Atelier in Laguna Beach entführt", sagte Wäspe.

Farbiger wird die Ausstellung im fünften Raum, wo 21 quadratische Bilder in einem langgezogenen Rechteck zu einem harmonischen Ganzen angeordnet sind. Die Palette der Einzelbilder reicht von "zinc oxide" bis "pozzuoli red". Jedes Bild ist monochrom, wie beim "Radical Painting" üblich, das die Künstlerin laut dem Kurator geprägt habe. Hafif nennt die Werkgruppe "Table of Pigments".

www.kunstmuseumsg.ch (sda)

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