Helene Fischer – Mit Disziplin zurück an die Spitze

NEUES ALBUM ⋅ Was sie anfasst, scheint zu Gold zu werden. Seit «Atemlos» gehört Helene Fischer zu den Superstars in der Schlagerszene. Jetzt kommt eine neue Platte. Kann sie damit an ihre Erfolge anknüpfen?
18. Mai 2017, 07:06

Sebastian Fischer, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch

Helene Fischer ist ein Phänomen. Sie tanzt, moderiert, singt, ist Entertainerin und Superpromi. Ihre Platte «Farbenspiel» – mittlerweile dreieinhalb Jahre alt – stand in Deutschland seit Veröffentlichung ununterbrochen in den Charts (in der Schweiz waren es «nur» 150 Wochen). Jetzt hat die 32-Jährige erstmals seit langem wieder neue Lieder am Start – die Platte heisst ganz einfach «Helene Fischer».

Die im russischen Krasnojarsk geborene Sängerin ist derzeit wohl der bekannteste Schlagerstar. Ihre Fans gehören sicherlich zu den treuesten. Das weiss auch Fischer selbst. So sagt sie, ihre Anhänger hätten «in den letzten Jahren alles angenommen, was ich ihnen auf der Bühne präsentiert habe».

Und das ist so einiges: Wenn sie in ihrer jährlichen Weihnachtsshow mit internationalen Stars zusammen singt, sitzen Millionen vor dem Fernseher. Tritt sie in Stadien oder grossen Hallen auf, zieht sie Zehntausende an – wohlgemerkt: pro Konzert.

Was dort den Schein des Leichten trägt, ist harte Arbeit. «Generell ist in meinem Job Disziplin wichtig», sagt sie. Und geordnet scheint sie auch sonst zu sein. Wenn Medien um ein Interview bitten, ist das Private tabu. Homestorys gibt es eigentlich keine. Allzu sehr hinter ihre Türen lässt sich Fischer nicht schauen.

Seit einem Jahr im Proberaum

Was ihre Musik angeht, ist sie ­allerdings ganz offen. Rund ein Jahr habe sie sich nun auf die zum Album gehörige Tour vorbereitet, sagt die ausgebildete Musical­darstellerin. Da brauche sie auch «Disziplin im sportlichen Sinne». Bald spielt sie fast 70 Shows in grossen Hallen. Manche Konzerte – etwa auch jene fünf im Herbst in Zürich – waren schon beinahe ausverkauft, noch bevor nur ein Song von «Helene Fischer» überhaupt veröffentlicht war.

Als sie vor einigen Wochen in der Fernsehsendung ihres Partners Florian Silbereisen drei bislang unbekannte Lieder sang, stahl sie ihm damit zumindest ein wenig die Show. Dass sie mit ihrer neuen Platte gleich die Chart­spitze erobern wird, scheint beinah eine ausgemachte Sache. Die Frage kann dann eigentlich nur lauten: Wie lange wird sie sich diesmal ganz oben halten? Dass man mit dem Genre Schlager bei den Verkaufszahlen durch die ­Decke schiessen kann, ist zwar nicht neu, aber in Fischers Umfang sicherlich eine Seltenheit.

In die «Atemlos»- Fussstapfen?

Viele der Songs auf «Helene ­Fischer» drehen sich um Liebe, Sehnsucht und die Macht der Zweisamkeit – mal als Pop-Schlager, oft als emotionale Ballade. Doch zuweilen bricht die Sängerin aus den erprobten Wegen aus – und macht damit «Helene ­Fischer» erst richtig interessant. Da ist etwa «Achterbahn» mit Schnips-Beat und Autotune überm Refrain («Gefühle ausser Plan, wie in ’ner Achterbahn»). Möglich, dass für diesen auf Sommerhit geschmiedeten Song die «Atemlos»-Fussstapfen nicht allzu gross sein könnten.

Wirklich gut produziert ist auch der Eurodisco-Stampfer «Herzbeben». Den singt Fischer trotz mancher Textschwäche so voller Drang, dass ihre Stimme endlich mal ein wenig nach Reibeisen klingt.

Fischer scheint zu wissen, wie sie alle möglichen Geschmäcker bedient. Sollte sie mit dem einen Song mal anecken, kommt beim nächsten schon ein anderer Stil, mit dem sie die Hörer am Ende schliesslich doch noch kriegt. Das spiegelt irgendwie genau die Frau wider, die beherrscht an ihrem Erfolg arbeitet. «Purer Helene Fischer geht nicht», sagt sie selbst über die Platte.

Drei Jahre lang stellte sie das meistverkaufte «Album des Jahres», zweimal hintereinander allein mit «Farbenspiel» (darauf der Megahit «Atemlos»). Schaut man sich die allgemeine Erwartung an den Nachfolger an, scheint ihr derzeit von der deutschsprachigen Konkurrenz niemand das Wasser reichen zu können. Vielleicht ist Helene Fischer nur ihre eigene Konkurrentin. Kann sie sich selbst toppen? Wenn ja, wäre dies das konsequente Ergebnis ihrer Disziplin.

Video: Helene Fischer - Atemlos

Die Schlagerkönigin Helene Fischer erfindet ihr Genre laufend neu - auch in Sachen Videoclips. (youtube.com, 28.01.2016)

Video: Helene Fischer - Ich bin bereit

Titelsong des Animationsfilms «Vaiana». Der Film läuft ab 22. Dezember 2016 in den Kinos. (youtube.com, 21.12.2016)




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