Musikalische Reife in romantischer Kammermusik

KONZERT ⋅ Drei junge Musikstudenten überzeugten mit fein ausbalanciertem Zusammenspiel. Unter ihnen die einheimische Eveline Meier, die gewissermassen auch zu ihren musikalischen Wurzeln zurückkehrte.
18. Juni 2017, 11:29

Die Geigerin Eveline Meier erhielt 2016 den Horwer Kulturförderpreis, mit dem sie Konzerte unter dem Motto «Verbindung zwischen Heimat und Welt» organisieren konnte. Mit ihrem kürzlich gegründeten Trio JET trat sie am Freitagabend in der reformierten Kirche Willisau auf.

Sie kehrte so an ihre musikalischen Wurzeln zurück: Denn an der Musikschule Willisau hat sie ihren ersten Unterricht erhalten, und für ihre damalige Lehrerin Ushma Agnes Baumeler war es, wie diese beim Konzert sagte, eine Ehre, die jungen Musiker zu begrüssen und kleine Werkeinführungen zu geben. Es waren viele Zuhörer da, die persönlichen Kontakt zu Familie Meier haben (sie lebte bis 2004 in Willisau). Zugleich reichte sowohl die internationale Besetzung als auch die erstaunliche musikalische Reife der jungen Musiker weit über die Heimat hinaus.

Cellist aus Ungarn, Pianist aus Vietnam

Der Name des Trios setzt sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zusammen, Janos Alexander Madaras, Cellist aus Ungarn, Eveline Meier aus der Schweiz und Pianist Anh Tung Nguyen aus Vietnam. Alle drei sind 1995 geboren, studieren an der Liszt-Akademie in Budapest und sind mehrfache Preisträger.

Mit der Sonate für Violine und Klavier op. 100 in A-Dur von Brahms, die er 1886 am Thunersee komponiert hat, begannen Meier und Anh Tung Nguyen den Kammermusik­­abend.

Nach anfänglicher Nervosität liessen sie den Melodienreichtum der Sonate aufblühen, im zweiten Satz überzeugten sie mit inniger ausgespielter Romantik, die sie im lyrischen Finale noch verstärkten. In zwei Sätzen aus der ebenfalls 1886 komponierten Sonate für Violine und Klavier von César Franck bestachen die Kontraste zwischen liedhaften Themen und virtuoser Vehemenz.

Über Franz Schuberts Adagio in Es-Dur für Klaviertrio schreibt Eveline Meier: «Die Hauptthematik im Stück ist, dass es nirgendwo hinführt.» Schwebend, mit fein ausbalanciertem Zusammenspiel ging das «Notturno» in der Interpretation des Trios JET aber in traumhafte Klangwelten.

Wie sich dann die jungen Musiker förmlich in das Klaviertrio op. 66 in c-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy stürzten, sprengte fast den hohen Kirchenraum. Es gelang dem Pianisten dennoch meisterhaft, den schwierigen Klavierpart so zu gestalten, dass beide Streicher fast immer zu hören waren. Madaras verfügt über einen sinnlich warmen Celloton, der sich intensiv mit dem in allen Lagen vollen Klang der Violine mischte. Wie nach den fast atemlosen Fantasieszenen im Scherzo, die an den «Sommernachtstraum» erinnern, im letzten Satz der Choral «Vor deinen Thron tret ich hiermit» erklang und immer wieder aufschien, das wurde exzellent musiziert. Passende Zugabe war das «Rondo all’Ongarese» aus Joseph Haydns Trio op. 39, ungarisch wie die Studienstadt.

 

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Das Konzert findet heute Sonntag um 17 Uhr in der reformierten Kirche Horw nochmals statt.

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