«Nina Hagen ist immer für eine Überraschung gut»

CHAM ⋅ Die Berliner Punk-Ikone Nina Hagen sorgt für einen vollen Lorzensaal und überrascht ihr Publikum schon zu Beginn. Nicht nur mit ihrem exzentrischen Charme – sondern mit einem Frühstart.
17. September 2017, 07:55

Das Konzert von Nina Hagen am Samstagabend im Lorzensaal hat schon im Vorfeld für viel Aufsehen gesorgt. Logisch: Treten doch Stars wie Hagen, die weltweit bekannt sind, nicht so oft oder kaum je im Kanton Zug auf. Kein Wunder, brannten die Fans darauf, die Punk-Ikone im Lorzensaal zu sehen. Schon bald hiess es darum: ausverkauft. Da Hagen in der Schweiz nur in Cham und Schaffhausen auftrat, strömten auch viele Auswärtige in den Saal, was Tickets noch rarer und begehrter machte.

«Ich bin sehr gespannt», war vor dem Konzert von vielen Fans zu hören. «Denn Nina Hagen ist immer für eine Überraschung gut. Und tatsächlich: Die Berlinerin sorgt schon zu Beginn für einen Knaller. Schon um 20.54 Uhr, also sechs Minuten zu früh, spaziert sie – schrill gekleidet, wie erwartet – auf die Bühne. In der Hand eine Akustikgitarre, setzt sie sich auf den Baarhocker auf der Mitte der Bühne und sagt: «Einen wunderschönen Saturday-Abend.» Er ist der überraschende Auftakt eines für die Fans besonderen Abends.

Die Ohrstöpsel werden schon bald entfernt – sind es doch Balladen und Antikriegslieder, die Nina für das Publikum vorerst zum Besten gibt. Nach exakt einer halben Stunde geht erstmals die Post ab. Leider ist es nur ein Song, der stampfig-rockig daherkommt. Denn auch die nächsten Lieder drehen sich um die politischen und gesellschaftlichen Anliegen von Nina Hagen, die zwischen den Songs immer wieder Brecht zitiert.

Langes Warten auf das Happy End

«Ich bin ein alter Hippie und habe auf die jungen Punks aufgepasst», sagt Hagen und stimmt den nächsten Rock-’n’-Roll-Cover an. Sie ziert sich ihre Hits zum Besten zu geben. Angesprochen darauf, sie solle doch bitte ältere Songs vortragen, habe sie gesagt: «Für mich wäre es so, wie wenn ich mich mit alter Kotze waschen müsste», erzählt sie dem Publikum. Lange warten die Fans daher vergeblich auf die Nina-Hagen-Kracher aus den 80er-Jahren.

Umso dankbarer sind die Besucher, als es «endlich» um Punk und Fun und nicht mehr um politische Statements geht. Und so kommt es ganz zum Ende des Auftritts versprochenen zum Happy End als sich die Punk-Ikone Nina Hagen doch noch von ihrer rockigen Seite zeigt.

 

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Hinweis

Die nächsten Konzerte von Live in Cham finden am 28. Oktober und 25. November statt. Zuerst rockt die schottische Band King Kong; danach spielt die Finnin Ina Forsmann.


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