Opernregie trotz Hausarrest

SAISONPROGRAMM ⋅ Er heisst Kirill Serebrennikow, ist Theater-, Opern- und Filmregisseur – und steht seit August letzten Jahres in Moskau unter Hausarrest. Denn politisch unbequem ist er auch.
13. April 2018, 07:54

Was also tun? Andreas Homoki, Intendant des Opernhauses Zürich, hat ihn für November für die Inszenierung von Mozarts «Così fan tutte» verpflichtet und sich im Vorfeld seiner vorgestrigen Programmpräsentation schon überlegt, die Produktion zu kippen. «Doch ich hab’s nicht fertiggebracht. Wir müssen zu diesem Künstler halten.» Ein Glück, dass Serebrennikow viel mit seinen Assistenten arbeitet. Wenn er also nicht rechtzeitig freikommt, übernehmen sie.

Siebzehn Neuproduktionen plant Homoki für seine siebte Saison. Auf der Hauptbühne startet er mit Franz Schrekers Oper «Die Gezeichneten». Ihr folgt die erste Produktion von Ballettchef Christian Spuck. Er wählte ein – für den Tanz – ungewöhnliches Stück. Es ist Schuberts Lieder­zyklus «Winterreise».

Ungewöhnlich ist auch, was Homoki selbst neben Verdis «Nabucco» vorhat. Es ist – ein Musical, ein ziemlich schwarzes, das ihm Bassbariton Bryn Terfel ans Herz gelegt hat (der denn auch die Titelrolle singt). «Sweeney Todd» von Stephen Sondheim handelt von einem tief verletzten Barbier, der seinen Hass auf die Menschheit auslebt, indem er seine Kunden um einen Kopf kürzer macht. Seine Freundin verarbeitet sie zu Fleischpastete.

Noch einmal kommt der Sensenmann. In Györgi Ligetis «Le Grand Macabre» verpasst er jedoch hoffnungslos betrunken seinen Einsatz. (R. A.)


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