Luzerner Band Intoxica stellt neues Album im Sedel vor

POPMUSIK ⋅ Für ein luftiges Sommergefühl in dunklen Winternächten sorgen Intoxica: Die Luzerner Band hat ihr Debüt-Album veröffentlicht und spielt im Sedel.
08. November 2017, 09:55

Ein cooles Plättchen, der Erstling von Intoxica: Die 10"-Vinyl-Scheibe enthält acht Songs, die als Cocktails daherkommen: Jeder Song ist ein exotischer Drink und heisst «Love Battle Call», «Smith & Wesson», «Nine Over» oder «Waka-E». Über die Zutaten gibt ein Beiblatt Aufschluss. Sie sind zwar sanft toxisch, aber ausschliesslich mit legalen Zutaten angerichtet. Neben diversen Früchten und gelegentlichem Gewürz ist garantiert ein guter Schuss Alkohol dabei.

Hinter Intoxica stecken zwei Musikerinnen und zwei Musiker, die mindestens stadtbekannt sind und schon mit diversen Bands ihr rockiges Unwesen getrieben haben. Slingerland alias Dany Glinz ist das Urgestein: Der britische Dandy, der die Pille der ewigen Jugend gegessen hat, begann seine Karriere mit der Rockband Rag Mama Rag. Er ist ein exzellenter Gitarrist und Bassist, sitzt aber bei Intoxica hinter dem Schlagzeug.

Riffen und Vibrieren

Bass spielt Lilly alias Nadine Schnyder (The Come Ons), sie handhabt ihn souverän und melodiös. Aus ihrer Feder stammen sämtliche Songs sowie die Zeichnungen und die Grafik des Albums. Jüngstes Mitglied der Band ist Sängerin Mai Ling alias Emel Ilter, bekannt als DJ und Soul-­Vinyl-Spezialistin. Last, not least bringt der unverwüstliche Smokin’Slim alias Sam Pirelli seine Gitarre in tadelloser Würde zum Riffen und Vibrieren.

Die Musik ist ein wohlproportioniertes Mischwerk aus Rock ’n’ Roll, altem Soul und Surf. Für die glorreiche Erhabenheit kommt manchmal eine Prise Morricone-Twang dazu. Mal gewinnt die poppig-leichtfüssige Seite die Oberhand, dann kippt es wieder mehr in Surf und R ’n’ B. «Arabian Rush» klingt mit seiner dunkel-lasziven Melodik wie der Exotica-Soundtrack eines B-Movies. Entspannt und seelenvoll, mit einem schönen Gitarrensolo, dringt «I Get So Blue» ins Ohr.

Der Sound auf «Hana Hou» ist vor Trends gefeit. Wer ihn mag, wird die Platte lieben. Wer ihn weniger mag, wird die Musik dennoch schätzen lernen. Zum Beispiel live auf der Bühne, wenn auch die Kostüme schön glitzern.

 

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis Intoxica: Hana Hou, Three Blind Mice (2017, Vinyl). Plattentaufe: Übermorgen, 10. November, 21 Uhr, Sedel.

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