Schwungvolle Leichtigkeit der Jungen Philharmonie Zentralschweiz

KLASSIK ⋅ Die Junge Philharmonie Zentralschweiz überzeugte mit englischer Musik in der Matthäuskirche Luzern. Ungewöhnliche Besetzung und eine gar teuflische Fuge sorgten für Begeisterung.
09. Januar 2018, 08:39

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Der Titel «Dreikönigskonzert – englische Musik» liess an Purcell oder Britten denken, beide Komponisten standen aber nicht auf dem Programm der Jungen Philharmonie Zentralschweiz am Sonntag in der Matthäuskirche Luzern. Das Orchester der Musikhochschule Luzern musiziert in verschiedenen Besetzungen, von Kammerorchester über Bläserformationen bis zum Sinfonieorchester, und präsentierte sich dieses Mal in zwei Kompositionen als reines Streichorchester. Die Erweiterung mit Hörnern und Holzbläsern sorgte für fein differenzierte Klangfarben bei Frederick Delius und Joseph Haydn, der in England mit seinen «Londoner Sinfonien» grosse ­Erfolge feierte und deswegen durchaus in das englische Programm passte.

«An English Suite» für Streichorchester von Hubert Parry (1848–1918) gab den jungen Streichern in sieben Sätzen reichlich Gelegenheit, ihr differenziertes Spiel zu zeigen. Andreas Brenner, der die Junge Philharmonie Zentralschweiz seit 2006 leitet, dirigierte mit sparsamen, klaren Bewegungen. Satter Tutti­klang prägte das einleitende Prelude, gesangliche Melodien der Bratschen fügten sich zart zum Pizzicato der Violinen im «In ­Minuet style, molto grazioso» und ausgesprochen tänzerisch gelang der mit «Frolic» überschriebene letzte Satz. Nur die Violinen waren in der Höhe manchmal etwas scharf.

Innige Tongebung

In «Caprice and Elegy» für Violoncello und Orchester von Frederick Delius (1862–1934) spielte Jana Telgenbüscher das Solo mit kraftvollem Bogenstrich und inniger Tongebung. Der impressionistisch perlende Beginn der Harfe charakterisierte dieses Werk hervorragend; das hier mit Bläsern verstärkte Orchester aber war bisweilen etwas dominant, sodass nicht alle Feinheiten des ­Solocellos zu hören waren.

In der ungewöhnlichen Besetzung für Streichquartett und Streichorchester erwies sich «Introduction and Allegro» op. 47 von Edward Elgar als ein romantisches Concerto grosso mit Themen von erstaunlicher Leuchtkraft. Auch wenn das Streichquartett nur wenige Solostellen hatte und oft als Echo eingesetzt war, gab es dem Werk besonderen Reiz. Jesus Merino spielte eine einprägsame Melodie schmelzend auf seiner Viola, Ahmet Pyshtiyev und Marta Peno Arcenillas setzten sich mit den Soloviolinen immer wieder fein vom Tutti ab, und Jana Telgenbüschel ergänzte das Quartett souverän.

Spannende Wechsel

Andreas Brenner arbeitete die Steigerungen wirkungsvoll heraus, die Wechsel zwischen Orchester und Quartett waren spannend und gipfelten in gegen­einandergesetzten Taktarten, die deutlich herausstachen. Die streng gesetzte Fuge, die Elgar selbst in einem Brief als «devil of a fugue» bezeichnet hatte, gelang mühelos, und das Ende, in dem das walisische Thema noch einmal unisono und bis in volles Forte erklang, war beeindruckend – entsprechend der Applaus in der sehr gut besuchten Kirche.

Krönender Abschluss aber war die Sinfonie Nr. 92 G-Dur von Joseph Haydn. Bekannt unter dem Namen «Oxford», wurde sie schon bei der ersten Aufführung 1791 in London so begeistert aufgenommen, dass das Adagio wiederholt werden musste. Andreas Brenner hatte sich für die Fassung ohne Trompeten und Pauken entschieden, was dem kammermusikalischen Musizieren entgegenkam. Mit ausgefeilter Dynamik, genau pointierter Artikulation und den humorvoll einkomponierten Pausen wurde die Interpretation der ­Jungen Philharmonie Zentralschweiz zu einem Glanzstück.

Stellvertretend für die hervorragend disponierten Holzbläser seien hier die Flötistin Lea Polanski und die Oboisten Andrey Cholokyan und Dzmitry Parechyn genannt, die strahlende Farbtupfer zu den Streichern setzten. Die jungen Musikerinnen und Musiker hatten sichtbares Vergnügen an den Einfällen Haydns, arbeiteten die Melodien im Adagio fein heraus und zelebrierten das ländlerische Menuet akzentuiert und mit Augenzwinkern. Den spritzig virtuosen letzten Satz spielten sie mit schwungvoller Leichtigkeit und ernteten wohlverdienten lang anhaltenden Applaus, für den sie sich mit dem zarten «Sally In Our Alley» von Frank Bridge (1916) bedankten.


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