Geburtstag der Woche

«Ewiges Leben» für Herbert Feuerstein

GEBURTSTAG DER WOCHE ⋅ Herbert Feuerstein war Chefredaktor, Reporter, Comedy-Autor, Schauspieler und Musiker. Man kennt ihn aber vor allem als Prügelknaben von Harald Schmidt. Am Donnerstag wird er 80.
12. Juni 2017, 05:00

Interviews gibt Feuerstein keine mehr. Er habe sich weitgehend ins Privatleben zurückgezogen, teilte seine Sprecherin mit. Dafür will sein langjähriger Sketch-Partner Harald Schmidt etwas sagen. Was ihm als Erstes einfällt, wenn er an Feuerstein denkt: «Frauen.» Immerhin ist dieser in dritter Ehe verheiratet, und seine derzeitige Frau ist 35 Jahre jünger als er.

Schlagfertiger Zyniker gegen den verschmitzten Kleinen

Die Gegensätzlichkeit des «Schmidteinander»-Duos war wohl das Erfolgsrezept der Sendung. Schmidt ist 29 Zentimeter grösser als Feuerstein. Und auch von der Persönlichkeit her könnten sie kaum unterschiedlicher sein: hier der für seine Schlagfertigkeit und Bosheit bekannte Zyniker Schmidt, dort der verschmitzte Feuerstein, der sich stets in Bescheidenheit übt und versichert, auch er sei kein Fan von sich selber: «Ich kann mich nicht sonderlich leiden.»

So war es auch eher Schmidt, der in der anarchischen WDR-Serie von 1990 bis 1994 die Lacher einsammelte. Feuerstein kassierte die verbalen Schläge. Hat er damit nie Probleme gehabt? «Ich glaube, er hat es überwiegend genossen», meint Harald Schmidt.

Das könnte sogar stimmen, denn Fanpost bewies, dass sich die Zuschauer mit dem Underdog identifizierten. Ausserdem, so berichtete er einmal, profitierte er von Schmidts Trägheit: «Er wurde relativ schnell faul und liess mich alles schreiben.»

Der Liebe wegen verschlug es den Österreicher einst nach New York, wo er als Korrespondent arbeitete. Zurück in Europa, wurde er 1973 Chefredaktor der Satire-Zeitschrift «MAD» und steigerte die Auflage von 10 000 auf 400 000. Er gilt als Erfinder wegweisender Comic-Vokabeln wie «Hechel», «Ächz» und «Würg».

1994 erhielt Feuerstein einen Bambi für seine «anarchistische Originalität» und den «hemmungslosen Mut zum Chaos». Kurz danach wurde «Schmidteinander» eingestellt – Schmidt hatte laut Feuerstein die Lust daran verloren. Zudem konnte er dem Lockruf des Sat.1-Geldes nicht länger widerstehen.

Der Katholik stichelt gegen den Atheisten

Dem nunmehr prominenten Feuerstein boten sich viele Möglichkeiten zum Weitermachen. Er trat in Operetten und Theaterstücken auf, wurde Ratefuchs in der Wiederauflage von «Was bin ich?» und Reporter für die ARD-Reihe «Feuersteins Reisen».

Was wünscht ihm Harald Schmidt zum 80. Geburtstag? «Ewiges Leben», lautet die Antwort des praktizierenden Katholiken, wohlwissend, dass Feuerstein überzeugter Atheist ist. Schmidts Begründung: «Strafe muss sein.» Feuerstein hat übrigens schon bestimmt, was dereinst auf seinem Grabstein stehen soll: «Er konnte ständige Nähe nicht ertragen.»

Christoph Driessen (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch


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