Amadou & Mariam, das blinde Musikerduo, begeistert an den Stanser Musiktagen

TOP ACT ⋅ Amadou & Mariam aus Mali begeistern ihre Fans in Nidwalden. Meistens schnell, nur mitunter leicht müde, bringen sie Schwung in den stuckbedeckten Konzertsaal. Zu hören gibt es auch viel vom neuesten Album.
14. April 2018, 07:29

Susanne Holz

susanne.holz@luzernerzeitung.ch

Blaues Licht wird zu gelbem Licht – am Donnerstagabend im Kollegium St. Fidelis in Stans. Das blinde Musikerehepaar aus Mali, Amadou & Mariam, einer der Top Acts der diesjährigen Stanser Musiktage, erobert die Bühne. Der Saal unter der weissen Stuckdecke ist gut gefüllt mit Menschen mittleren Alters – das Konzert ist ausverkauft. Direkt vor der Bühne drängt sich die tanzfreudige Jugend – die junge Muslima mit Kopftuch neben dem jeansblauen Typ mit Baseballkäppi und dem Freak mit der bunt gestreiften Wollmütze.

Amadou & Mariam haben eine entspannt fröhliche Truppe an Musikern mitgebracht: den fein lächelnden Bassisten Yao Dembele, den temperamentvoll lässigen Keyboarder Charles Frederik Avot, die energiegeladene Sängerin Aminata Doumbia sowie die verlässlichen Rhythmiker Yvo Abadi und Joel Hierrezuelo an Schlagzeug und Perkussion.

Zuhörer in Trance und wild tanzende Instrumente

Den Startknopf für den afrikanischen Musikcocktail drücken die mit den Trommelstöcken und der an den Tasten. Dann setzt Sängerin Mariam (59) mit ihrer tiefen Stimme ein: «Ta Promesse» steht am Anfang des rund zweistündigen Konzerts. Der Song entstammt dem jüngsten (Herbst 2017) und zugleich neunten Album des in der Kategorie Weltmusik bereits Grammy-nominierten Duos – Titel dieses Albums: «La confusion».

Mit diesem Album kehren Sängerin Mariam und Gitarrist und Sänger Amadou (63) in gewisser Weise zurück zu ihren Wurzeln. Nach Ausflügen in Elektro-Pop, Art-Rock und Hip-Hop dominieren hier erneut Soul und Afro-Pop. Inhaltlich wird Zeitkritik geübt – das Album verweist auf den fundamentalistischen Einbruch in Mali und geht in seinen Songs auf Gleichberechtigung der Geschlechter, Flüchtlingskrise oder Terrorgefahr ein.

Die tanzfreudigen Zuhörer in Stans dürfen sich unter anderem im Takt von «Femmes du monde», «C’est chaud» und «Filaou Bessame» wiegen – allesamt Stücke des jüngsten Albums. Während Trommelstöcke auf und ab wirbeln, Sängerin Aminata ihre Arme schwingt und der Keyboarder für erfrischend schräge Töne sorgt, schaukelt sich das Publikum zur rauen Stimme Mariams in eine leichte Trance – so stellt man sich als Europäer gerne afrikanische Entspanntheit vor.

Aufgeweckt wird man dann wieder vom wild tanzenden Dialog der Gitarre mit dem Keyboard, ein Rhythmus, der wirbelt und packt und einen kurz auch an den progressiv-rockigen Sound einer Band wie Emerson Lake & Palmer erinnert. Breites In-die-Hände-Klatschen auf und vor der Bühne. Keyboard und Gitarre werden schneller und schneller und beharren schliesslich auf einem Ton – ein rundum packender Moment.

Der wohl schönste Mitsing-Song

Mit dem Song «La confusion» von 2017 wird es etwas ruhiger: «C’est la confusion partout, c’est la division sur tout.» Kritik an einer irren Welt. Vor der Bühne gehen Bierflaschen von Hand zu Hand, Afrika wird müde, der Sound langsam. Auch beim Lied «Africa mon Afrique» lässt der Schwung etwas Federn.

Und ausgerechnet mit «Triste réalité» nimmt das Konzert sodann noch einmal an Fahrt auf. Man freut sich, den Keyboarder wieder hüpfen und die Trommelstöcke wieder tanzen zu sehen. Das Licht blitzt lila ... und plötzlich machen sich die Musiker davon. Es ist kurz vor zehn, und natürlich fordert der Saal mit fröhlicher Vehemenz eine Zugabe. Amadou & Mariam lassen sich nicht lange bitten und schenken ihren Fans ihren wohl schönsten Mitsing-Song: «Je pense à toi, mon amour, ma bien aimée, ne m’abandonne pas, mon amour, ma chérie ...» Unbeirrt zieht Amadou mit starker Stimme die Silben lang. Der Rausschmeisser zuletzt ist schnell. Ein Junge stürmt die Bühne und tanzt. Das Fazit eines älteren Fans: «Musik, zweihundertprozentig.»

  • Sie standen während der Stanser Musiktage 2018 auf verschiedenen Bühnen im Rampenlicht: das Echo vom Schattenhalb und Natur pur beim Konzert auf der Länzgi-Bühne. (© André A. Niederberger)
  • Die angolanische Singer-Songwriterin Aline Frazão (© André A. Niederberger)
  • John Menoud von Lalibela Express (© André A. Niederberger)

Imrpessionen vom Festival in Stans.


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