Wettervielfalt zeigte sich in der Musik

KLASSIK ⋅ Die 4. Rigi-Musiktage starteten mit atmosphärischer Vielfalt. Auch ohne sichtbaren Sonnenuntergang war der «Romantische Abend» am Freitagabend Emotion pur.
16. Juli 2017, 08:32

In der Musik zeigten sich alle Stimmungen des wetterwendischen Tages – von prasselnden Regengüssen über fantastische Farbspiele von Sonne und Wolken bis zu sich verschleiernden Fernblicken. Die Künstler des feinen Kammermusikfestivals auf dem Berg zeichnen sich durch hohes technisches Können sowie flexibles Zusammenspiel aus. Und man merkte allen die Freude beim Musizieren an, zumal man ihnen im historischen Festsaal des Hotels Rigi Kulm ganz nahe war.

Mit temperamentvollen Bogenstrichen und klangvollen Doppelgriffen eröffnete Maria-Elisabeth Lott das Konzert. In der Sonate für Violine Solo op. 27 Nr. 3 von Eugène Ysaye (1858–1931) zeigte sie ihr farbenreiches Spektrum. Wie dann der Cellist Sebastian Klinger und Benedikt Loos, der derzeit bei ihm studiert, Niccolo Paganinis «Moses-Fantasie» interpretierten, erstaunte. In dem Arrangement für zwei Celli spielte Loos nur auf der A-Saite, mühelos und mit stoischer Ruhe beherrschte er die aberwitzig virtuosen Anforderungen, während Klinger die ursprüngliche Klavierbegleitung auf seinem Cello vollgriffig umsetzte.

Betörender Melodienreichtum

«Ich schreibe jetzt kleine Bagatellen, denken Sie, nur für zwei Violinen und Viola. Die Arbeit freut mich ebenso sehr, als wenn ich eine grosse Sinfonie schriebe», hatte sich Dvorák über sein Terzetto C-Dur op. 74 gesagt. Und in der Interpretation von Natascha Prischepenko, Maria-Elisabeth Lott und Diemut Poppen, der künstlerischen Leiterin der Rigi-Musiktage, entfaltete sich der Melodienreichtum des Komponisten betörend: schmelzende Gesanglichkeit, volkstümliche Tanzfreude, pure Leidenschaft.

In der Serenade C-Dur op. 10 für Streichtrio von Ernst von Dohnanyi (1877–1960) fühlten sich Prischepenko, Poppen und Klinger hervorragend in die irisierende Klangwelt ein. Poppen liess den vollen Klang ihrer Bratsche elegisch über dem Pizzicato von Violine und Cello schweben, während sich alle drei im Scherzo vehement in das Fugatothema stürzten und es wundervoll ausbalancierten. Die berühmte «Vocalise» von Sergei Rachmaninow erklang dann in dem Arrangement von Stephanie Gurga für Streichquartett. Da spannte sich die Melodie ausdrucksvoll von einem Instrument zum nächsten, und ungewohnte Klangverbindungen verzauberten die vielen Zuhörer.

 

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Heute um 16 Uhr findet das Abschlusskonzert «Souvenir de Florence» in der reformierten Bergkirche Kaltbad statt. Es hat noch Karten. Infos: www.rigi.ch


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