Beat Züsli: «Wir lieben das Kleintheater»

JUBILÄUM ⋅ Gestern feierte das Luzerner Kleintheater sein 50-jähriges Bestehen. Mit vielen Gästen und einem grandiosen Christof Wolfisberg.
17. September 2017, 08:59

Er denke nicht, dass man sich Sorgen machen müsse um die Zukunft des Kleintheaters, sagte Joachim Rittmeyer. «Schliesslich sind gerade Orte mit solch kleinen Veranstaltungen die einzigen, die Terroristen nicht interessieren.» Es war die deftigste Pointe am gestrigen Jubiläumsanlass zu 50 Jahre Kleintheater. Zwar gab es viele Seitenhiebe in Richtung kantonale Sparmassnahmen, aber ansonsten blieb man feierlich vornehm über der Gürtellinie.

Durch den unterhaltsamen ersten Teil der Festivitäten führte Christof Wolfisberg, seines Zeichens bekannt als Hälfte des Blätter-Duos Ohne Rolf. Diesmal redete er aber («wer will schon einen Mann sehen, der schweigend hinter gedruckten Blättern steht»). Und ehrlich: Es war grandios. Wolfisberg las sich und dem Publikum sein Skript für den Abend vor («Wolfisberg schenkt sich Wasser ein und trinkt einen Schluck»). In vielen kleinen Beiläufigkeiten steckte wahnsinnig viel Humor und Herz. Sogar eine grossartig-groteske Interaktion mit dem Publikum führte er durch. Es ging um ein Paket und was alles mit jener Dame passieren wird, der er es überreicht hat.

Der Stapi nimmt Wolfisbergs Steilvorlage souverän auf

Die eigentliche Festrede hielt dann, naturgemäss etwas weniger witzig, der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli. Und auch wenn dieser sicherlich nicht zu den stärksten Rednern im Kanton zählt, hatte er durchaus Charme und Witz. Elegant nahm er Wolfisbergs Skript-Steilvorlagen und liess sich von diesem noch Wasser bringen («Wolfisberg bringt Züsli ein Glas Wasser auf die Bühne»). Er zeigte in seiner Ansprache auf, was im Kleintheater halt wirklich klein ist (das Foyer) und was dagegen gross (das Herzblut und eigentlich der ganze Rest). Er schloss seine Rede auch mit einem Bekenntnis: «Wir lieben das Kleintheater, wir stehen hinter dem Kleintheater.»

Zwei, die das Haus ebenfalls lieben, sind Zauberer Alex Porter und der eingangs erwähnte Kabarettist Joachim Rittmeyer. Mit ihnen schwatzte Wolfisberg über unbequeme Fragen und über die Zukunft des Kleintheaters. Porter zeigte zaubernd noch den Wert der Kulturförderung. Es hatte trotz kleineren Längen Witz. Es ist halt so, wie es an runden Geburtstagen so ist. Man klopft dem Jubilar kräftig auf die Schultern, und am Ende dauert der Abend länger als geplant. Bedauerlich einzig: Dadurch verpassten wir wegen des Redaktionsschlusses den Dokfilm über das Kleintheater, der nach der Pause Premiere feierte. Aber zum Glück kommt der heute gleich am Fernsehen (siehe Hinweis).

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Der Dokfilm wird heute um 11.55 Uhr auf SRF 1 gezeigt.


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