Zwei schlaue Idioten

KINO ⋅ Steven Soderbergh ist zurück. In «Logan Lucky» verlassen sich potenzielle Trump-Wähler nicht auf die ­ Politik, sondern helfen sich selbst. Ein Cousin der «Ocean’s»-Filme mit einem Daniel Craig in Spiellaune.
13. September 2017, 08:38

Regina Grüter

«Kaum jemand kennt sich mit Einbruchsfilmen besser aus als er», meint Rebecca Blunt. Also bat sie «Ocean’s»-Regisseur Steven Soderbergh, sich ihr erstes Drehbuch, das damals noch «Hillbilly Heist» hiess, einmal anzusehen. Vielleicht könne er ihr ja einen geeigneten Regisseur vorschlagen. Es kam anders, als es sich Blunt wohl jemals erträumt hätte. Soderbergh, der sich mit «Side Effects» (2013) eigentlich endgültig aus dem Filmgeschäft verabschiedet hatte, fand derart Gefallen an dem Stoff, dass er ihn gleich selber inszenieren wollte. Mit «Logan Lucky» gibt er sein Comeback auf der grossen Leinwand.

Die Rohrpost ­ unter der Rennbahn

Da ist also eine Gruppe Hillbillys, die einen Raub im grossen Stil verüben wollen. Der Plan kommt vom geschiedenen Familienvater Jimmy Logan (Channing Tatum), der gerade wieder seinen Job verloren hat. Als Minenarbeiter hat er unter dem Charlotte Motor Speedway in North Carolina Reparaturarbeiten ausgeführt. Demnächst wird dort das legendäre Nascar-Rennen «Coca-Cola 600» stattfinden. Und Jimmy weiss, wie das Geld transportiert wird: über ein mit Druckluft betriebenes Rohrpostsystem direkt in den unterirdischen Tresor. Jimmy holt seinen Bruder Clyde (Adam Driver) mit an Bord.

Jetzt brauchen sie nur noch jemanden, der den Safe in die Luft jagt. Der Richtige dafür ist Joe Bang (Daniel Craig), doch der sitzt im Knast. Steven Soderbergh hat eine Vorliebe für Geschwindigkeit. So rast man mit Tempo durch eine Geschichte, die sich in ruhigen Momenten den Be- ziehungen zwischen den Figur- en widmet, insbesondere der von Vater und Tochter. Nicht gänzlich frei von Kitsch – John Denvers «Take Me Home, Country Roads» lässt grüssen –, aber «Logan Lucky» ist eben auch ein Film über Familie.

Hinterwäldler-Ausgabe von Danny Ocean und Co.

Die vom Pech verfolgten Logans haben das Glück, für einfältig gehalten zu werden. So täuschen sie nicht nur ihre Mitstreiter, sondern auch den Zuschauer, und können ihr Ding erst so richtig durchziehen. Mit einer albernen Punkteliste «Wie verübt man einen Raubüberfall?» und einem Modell aus Pizzakartons und WC-Rollen wird der Zuschauer auf eine falsche Fährte gelockt. Man wünscht ihnen – eine Voraussetzung des Heist-Film-Genres –, dass sie gewinnen. Nun ist «Logan Lucky» kein grosser Wurf. Will es auch nicht sein. In erster Linie soll der Film unterhalten. Und Steven Soderbergh liefert einmal mehr Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau. So unsinnig einem die Story erscheinen mag, entfaltet sie auf der Leinwand doch die nötige Plausibilität. Essenziell ist ein funktionierendes Ensemble, denn schliesslich erfordert so ein Raub, wie die Arbeit an einem Film, absolutes Teamwork.

Und diese Truppe – die Hinterwäldler-Ausgabe von Danny Ocean und Co. – ist so überdreht, dass es gerade noch lustig ist. In der Zeichnung dieses White-Trash-Milieus, angereichert mit schrägen Southern-Rock-Songs, kann man eine implizite sozialkritische Note erkennen. Tatum, der mit Soderbergh schon für «Magic Mike» zusammengearbeitet hatte, bringt Natürlichkeit und Bodenständigkeit mit; Driver gibt sich als fatalistischer einarmiger Irakveteran gewohnt lakonisch.

Am meisten Freude aber macht der Auftritt von Daniel Craig. Man mag ihn als Bond gut finden oder nicht, zweifelsohne ist er ein grossartiger Schauspieler mit Sinn für Humor. So gibt es denn Anspielungen auf Bond – Clyde mixt für einen englischen Rennfahrer mit eigener Energydrink-Marke (kaum zu erkennen: Seth MacFarlane) einen Martini mit nur einem Arm – und auf die «Ocean’s»-Filme. «Logan Lucky» sei ein Cousin davon, meint Soderbergh. Und dass das Ende nicht wirklich das Ende ist, macht den Spass noch um einiges grösser.

«Logan Lucky» ab Do im Kino.


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