Zwischen Hoffnung und Luxusproblemen

B-SIDES-FESTIVAL ⋅ Gestern Abend startete das B-Sides-Festival auf dem Krienser Sonnenberg. Einmal mehr ist alles äusserst liebevoll angerichtet. Dieses Jahr sogar mit einem starken Thema.
16. Juni 2017, 04:40

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Ja, wie klingt sie denn eigentlich, diese Hoffnung? Das B-Sides-Festival auf dem Sonnenberg hat sich in diesem Jahr nicht nur mit der Musik auseinandergesetzt, sondern eben auch mit der Hoffnung. Das Projekt «The Art a Culture of Hope» beschäftigt sich auch während des Open Airs mit den Themen Hoffnung und Ängste. Das ist in einer Zeit, in der alle möglichen Ebenen eskalieren, irgendwie tröstend. Bereits vor dem Eingang kann man ein Bändchen rupfen, um es danach mit einem Wunsch (für eine bessere Welt oder eine bessere Persönlichkeit) irgendwohin zu knüpfen.

Auf dem Gelände spielt derweil gerade Hannah Epperson auf. Die Amerikanerin kämpft tapfer mit Geige, Schlagzeug und Loopgerät gegen eine beachtliche Geschwafel-Kulisse. Je länger ihr Auftritt auf der Zeltbühne dauert, desto mehr erobert sie die Aufmerksamkeit, die ihr eigentlich auch zusteht. Aber das B-Sides ist neben Musikfestival und Hoffnungsforschungszentrum halt auch eine Art Klassentreffen der Luzerner Szene, und da wollen all die Neuigkeiten auch ausgetauscht werden.

Etwas wuchtiger wird es dann bei Gemma Ray auf der grossen Bühne. Mit einer beachtlich-coolen Performance setzt die Britin ein erstes Ausrufezeichen auf dem Sonnenberg. Da und dort beginnt das sehr zahlreich erschienene Publikum auch leicht zu tanzen. Das macht Laune, und die Frau im gelben Kleid scheint auch ihren Spass zu haben.

Sowieso: Spass haben. Die Bändchen vom Eingang haben sich mittlerweile mehrere junge Damen als Stirnband umgebunden. Das sieht zwar nett aus bei Selfies, lässt das Festivalthema «Hoffnung» aber irgendwie als Accessoire wirken. Und das wirkt gerade angesichts der liebevollen Umsetzung (die Deko ist wie immer wunderschön, das Essen fantastisch) fast schon ein bisschen zynisch.

Entspannt dagegen der Auftritt der Luzerner Touch. Selbst Kabelpannen schaffen es nicht, die spürbare Coolness der Band wegzutrommeln. Vielleicht ist der sphärische Pop da und dort fast etwas zu cool, aber sei’s drum: Das sind Luxusprobleme.

Alles ist etwas besser

Vielleicht auch gerade deswegen geht der Auftritt der Headlinerin Agnes Obel nur selten ans Herz. Die Dänin hat eine wunderschöne Stimme, eine starke (rein weibliche) Begleitband und starke Songs. Im Festivalkontext, selbst mit der untergehenden Sonne, greift es aber nicht immer. Ihr dunkel angehauchter Singer-Songwriter-Folk ist aber zweifellos ein Ereignis, man ist sich aber sicher, dass er in einem Club oder bei einem Gewitter noch deutlich stärker gewirkt hätte. Aber auch das: Luxusprobleme. B-Sides-Gänger sind halt auch ein verwöhntes Publikum.

Zurück zur Hoffnung: «Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht», steht auf dem Männerklo, wenn man in den Spiegel schaut. Das ist der vielleicht schönste Satz am gestrigen Abend. Natürlich ist alles etwas besser, als wir denken, und eigentlich können wir ja froh sein, dass es uns so gut geht. Noch gibt es Hoffnung zu Hoffnung. Das ist eine äusserst schöne Botschaft.


Leserkommentare

Anzeige: