14-Jähriger findet Nazi-Flugzeug

DÄNEMARK ⋅ Ein Teenager hat ein zerschelltes Nazi-Flugzeug in einem Moor gefunden. Dabei wollte er nur seine Hausaufgaben machen. Doch dann kamen Kondome und stinkende Dokumente zum Vorschein.
16. März 2017, 04:29

Niels Anner, Kopenhagen

 

Es ist der Traum jedes Schülers: Schatzsucher, Hobby-Historiker möchte man sein. Doch erst mal sollen die Hausaufgaben erledigt werden. Für den 14-jährigen Daniel Kristiansen passte jedoch alles zusammen, als er kürzlich eine Arbeit in Geschichte schreiben sollte. Das Thema war offen, es sollte um den Zweiten Weltkrieg gehen. Sein Vater Klaus erinnerte sich an Gerüchte von früher, dass auf dem Landgut der Familie in Birkelse in Jütland 1944 ein deutscher Jagdflieger abgestürzt sei. Zeugen wie der heute 94-jährige Sigaard Jensen sahen 1944 ein deutsches Flugzeug, das in wilden Zickzack-Bewegungen in geringer Flughöhe kreiste. «Ich dachte damals, das sei ein Selbstmordversuch oder der Pilot habe das Bewusstsein verloren», erklärte Jensen dem dänischen Fernsehsender DR. Gefunden wurde das Flugzeug nie.

73 Jahre später machten sich Klaus und Sohn Daniel, ausgerüstet mit einem Metalldetektor, auf die Suche. Die beiden Schatzsucher brauchten nicht lange, bis das Gerät anschlug. Als sie zu graben begannen, kamen erste Metallteile zum Vorschein. Was sie in zehn Meter Tiefe fanden, verschlug ihnen die Sprache: Ein zerschellter, aber doch gut erhaltener deutscher Jagdflieger des Typs Messerschmitt 109 kam zum Vorschein. Mit Motor, Maschinengewehr, Munition – und Knochen.

Verräterischer Treibstoff

Sie riefen die Polizei, die auch Sprengstoffexperten der Armee sowie Vertreter des deutschen Konsulats zuzog; Munition, Leiche und in Benzin getränkte Dokumente wurde sichergestellt. Diese werden nun schonend gefriergetrocknet; sie sollen in brauchbarem Zustand sein. Der Fundort stank im wahrsten Sinne des Wortes nach Wehrmacht, erklärte der Lokalhistoriker und Fliegerexperte Sören Flensted. Der Grund ist ein von den Deutschen verwendeter, aus Ölschiefer gewonnener Treibstoff.

Flensted sprach gegenüber dänischen Medien von einem bedeutenden Fund, da nicht bekannt gewesen sei, dass der Pilot ebenfalls ins Moor abgestürzt sei. Er sei sich ziemlich sicher, dass der Mann aufgrund von Dokumenten und deutschen Archiven identifiziert – und damit seine Geschichte historisch aufgearbeitet – werden könne. Flensted tippte hinsichtlich seiner Kenntnisse sogar auf den Namen eines als verschollen gemeldeten Piloten; die Polizei sucht nun Nachfahren dieser Person. Bei der Leiche wurden auch eine Brieftasche, Kondome und Raucherwaren gefunden. Die Nazis schickten laut Flensted vor allem zu Kriegsende junge, unerfahrene Piloten in den Kampf. Dabei kam es zu Hunderten von Abstürzen.


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