140 Liter Wasser für eine einzige Tasse Kaffee

NATUR ⋅ Weltweit haben viele Menschen kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser, während wir bei uns gar nicht wissen, wie viel Wasser wir tagtäglich verbrauchen. Daran erinnert der Weltwassertag vom 22. März.
19. März 2017, 10:32

Christian Satorius

Wie viel Wasser braucht man wohl, um eine einzige Tasse Kaffee aufzubrühen? Vielleicht einen Viertelliter, wenn es eine grosse Tasse ist, könnte man meinen.

Wissenschafter kommen zu einem ganz anderen Ergebnis: Benötigt werden 140 Liter. Sie beziehen in ihre Rechnung nämlich auch die Wassermengen mit ein, die notwenig sind, um die Kaffeepflanzen zu wässern, zu ernten, ja selbst die Röstung, Verschiffung und sogar das Verpackungspapier verbraucht Wasser.

Für diesen teilweise versteckten Wasserverbrauch, der notwendig ist, um ein Produkt zu erzeugen, hat der britische Wissenschafter John Anthony Allan vom King’s College in London Anfang der 1990er-Jahre den Begriff «virtuelles Wasser» geprägt. So ergibt sich für jedes einzelne Produkt ein «Wasserfussabdruck», der Auskunft darüber gibt, wie viel Wasser in die Herstellung insgesamt eingeflossen ist.

«Virtuelles Wasser hat keinen Platz im Denken»

Während sein Konzept in der Wissenschaft anerkannt ist, so tun sich vor allem Politik und Wirtschaft mancherorts noch schwer damit, es anzuerkennen, meint Allan: «Virtuelles Wasser hat so auch nur einen kleinen Platz im Denken der Mächtigen.»

Das hat durchaus seinen Grund, denn das Konzept des virtuellen Wassers wirft ein ganz neues Licht auf viele Alltagsdinge und macht deutlich, dass der eine oder andere Gegenstand doch nicht ganz so sauber ist wie sein Image. Dazu trägt auch die mitberücksichtigte Verschmutzung des Wassers durch den Gebrauch bei, das sogenannte «graue virtuelle Wasser».

Dabei spielt natürlich eine grosse Rolle, wie und wo die einzelnen Produkte hergestellt werden und wo man sie schliesslich verzehrt bzw. verbraucht. Auch dieser Im- und Export schlägt sich im virtuellen Wasser nieder. Ein Beispiel: In der Slowakei werden für die Herstellung eines Kilogramms Weizen rund 450 Liter Wasser benötigt, in Somalia hingegen sind es ganze 18000 Liter. Ein Europäer verbraucht nach Unesco-Angaben im Schnitt etwa 4000 Liter virtuelles Wasser pro Kopf und Tag – mehr als die Hälfte davon ist importiert.

In vielen Exportländern aber ist die Wasserversorgung oftmals ohnehin katastrophal, und so können diese es sich eigentlich gar nicht leisten, das wenige Wasser, das sie besitzen, auch noch zu exportieren. Genau das geschieht aber in zunehmendem Masse im Zuge der Globalisierung. Wassermangel und -verschmutzung verschärfen sich so durch den weltweiten Handel.

Obwohl ungefähr drei Viertel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, ist sauberes Trinkwasser in einzelnen Ländern oft äusserst begrenzt.

Nur 3,5 Prozent sind Süsswasser

Die weltweiten Wasservorkommen von insgesamt zirka 1,386 Milliarden Kubikkilometern bestehen zu über 96,5 Prozent aus dem Salzwasser der Meere. Nur 3,5 Prozent der Wasservorräte sind Süsswasser, wovon etwa die Hälfte als Eis und Schnee unter anderem an den Polen gebunden ist. Noch einmal etwa die gleiche Menge kommt als Grundwasser vor, aus dem vielerorts ein grosser Teil des Trinkwassers gewonnen wird.

Insgesamt sind weltweit etwa 3,6 Millionen Kubikkilometer als Trinkwasser verfügbar. Das grösste Reservoir ist der Baikalsee in Südsibirien (Russland) mit einer Länge von 636 Kilometern, einer Tiefe von 1637 Metern und einem Inhalt von 23000 Kubikkilometern – das ist immerhin der knapp 500-fache Inhalt des Bodensees und rund das 2000-Fache des Vierwaldstättersees.

Während in einigen Ländern wie Äthiopien, Haiti oder Vietnam mehr als jeder Zweite über keinen vernünftigen Zugang zu sauberem Wasser verfügt, leisten andere Länder sich einen im Vergleich dazu geradezu verschwenderischen Umgang mit dem nassen Element.

Um die Mangelsituation zu verbessern, wurden laut Vereinten Nationen mittlerweile rund 4000 internationale Erklärungen und Übereinkommen ausgehandelt. Der Weltwassertag vom kommenden Mittwoch, 22. März, soll unter anderem dazu beitragen, dass den vielen schönen Worten und vollgeschriebenen Papieren auch Taten folgen.

 


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