300 Personen demonstrieren gegen Tierquäler

FRAUENFELD ⋅ Der Fall des Tierquälers Ulrich K. empört die Thurgauer. In Frauenfeld haben am Samstag rund 300 Tierschützer und besorgte Bürger gegen den Pferdezüchter protestiert. Sie werfen den Behörden Untätigkeit vor.
Aktualisiert: 
05.08.2017, 20:00
05. August 2017, 15:36

Michael Genova

Wut lag in der Luft, aber auch Empörung und Ratlosigkeit. «Nein, nein, nein, Tierquälerei!» und «Stoppt Ulrich K.!», skandierten rund 300 Demonstrantinnen und Demonstranten gestern auf dem Bahnhofplatz in Frauenfeld. Auf Transparenten forderten sie eine «sofortige Beschlagnahmung und Rettung der Tiere». Auch die Rücktritte von Regierungsrat Walter Schönholzer und Kantonstierarzt Paul Witzig wurden gefordert.

Diese Woche wurden verstörende Fotos publik, die in Hefenhofen auf dem Hof des Pferdezüchters Ulrich K. entstanden sind. Auf den Bildern sind tote oder abgemagerte Pferde zu sehen. Eine Frau hatte während sechs Monaten die Missstände dokumentiert und Strafanzeige eingereicht. Bereits 2014 hatte das Thurgauer Veterinäramt ein Tierhalteverbot gegen den Pferdezüchter ausgesprochen. Doch das Bundesgericht erklärte das Verbot wegen eines Behördenfehlers für nicht rechtskräftig.

Behörden sollen Pferde retten

Der Fall hat im Thurgau, aber auch im Rest der Schweiz ein breites Echo ausgelöst. In einer Onlinepetition fordert der Verein Brennpunkt Schweiz das Thurgauer Veterinäramt auf, Ulrich K. die Pferde wegzunehmen. Bis gestern kamen über 12000 Unterschriften zusammen.

Zur Demonstration in Frauenfeld hatte der Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT) aufgerufen. Präsident Erwin Kessler kündigte an, dass der VgT morgen vor dem Regierungsgebäude in Frauenfeld eine Mahnwache abhalten werde. Zeitgleich wird zum ersten Mal eine Task-Force tagen, welche die Thurgauer Regierung am Freitag einberufen hatte. Für Pferdezüchter Ulrich K. verlangt Kessler ein «totales Tierhalteverbot». Der Kanton müsse die Tiere unverzüglich beschlagnahmen und neu platzieren. Im Laufe des Montags wollen Vertreter des VgT dem Regierungsrat eine Adressliste mit Personen übergeben, die bereit wären, die Pferde von Ulrich K. vorübergehend bei sich aufzunehmen. Unter den Demonstranten befanden sich Tierschützer, aber auch besorgte Bürgerinnen und Bürger. «Der Fall ist seit Jahren bekannt, irgendetwas läuft hier schief», sagte Liz Kühne aus Frauenfeld. Patrick Kunz, der aus Uster angereist war, sprach von «Behördenschlamperei». Er sagte: «Die Behörden müssen jetzt handeln, nicht irgendwann.»

«Fälle schaden dem Ruf des Kantons»

In einer ersten Stellungnahme wehrte sich Regierungsrat Walter Schönholzer am Freitag gegen den Vorwurf der Untätigkeit. Das Thurgauer Veterinäramt müsse sich peinlich genau an den Rechtsweg halten, sagte er. Edith Zellweger von der Aktiven Tierschutzgruppe Salez widerspricht, sie ortet ein grundsätzliches Problem. «Das ist kein Einzelfall in der Schweiz», sagte sie gestern in Frauenfeld. Die Untätigkeit der Kantonstierärzte sei bestens bekannt.

Den Druck erhöhen will nun auch Reinhold Zepf, Präsident des Thurgauischen Tierschutzverbandes. «Mir geht es in erster Linie darum, dass es den Pferden möglichst bald wieder besser geht.» Am Montag werde er deshalb in einem Gespräch mit Regierungsrat Schönholzer konkrete Forderungen stellen. Neben dem Fall Ulrich K. will Zepf mit Schönholzer auch einen ähnlich gelagerten Fall besprechen. Dabei gehe es zwar nicht um Pferde, aber auch um ein Tierhalteverbot, über das man seit mehreren Jahren diskutiere. Für Zepf ist klar: «Diese Einzelfälle schaden dem Ruf des Kantons.»

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