Anklage fordert lange Haft für Autofahrer

PROZESS ⋅ Ein Autofahrer, der 2014 im Jura einen Selbstunfall mit zwei Toten verursacht hat, steht seit Dienstag in Pruntrut JU vor Gericht. Die Anklage verlangt wegen eventualvorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von acht Jahren.

08. März 2016, 17:29

Eventualvorsatz bedeutet, dass er mit seinem Verhalten den Tod der Mitfahrer in Kauf genommen hatte. Am 25. April 2014 war der Mann schneller als es die Verhältnisse zuliessen und unter Alkoholeinfluss gefahren. Bei Montvoie verlor er die Herrschaft über das Auto, in dem er mit fünf Kollegen unterwegs war.

Das Auto kam von der Strasse ab und blieb erst etwa 50 Meter abseits von der Strasse stehen. Zwei Passagiere kamen ums Leben. Der Fahrer und die drei weiteren Mitfahrer wurden verletzt. Alle sechs waren zwischen 19 und 21 Jahre alt.

Unter Tränen ausgesagt

Es tue ihm wirklich leid, den Unfall verursacht zu haben, sagte der Angeklagte unter Schluchzern dem Gericht. Er sei der Ansicht, er sei an dem Abend normal gefahren. Er könne sich nicht daran erinnern, dass ihn die Kollegen zum Bremsen aufgefordert hätten. Für seine Tränen entschuldigte er sich mehrmals.

Für die Staatsanwältin stand indessen ausser Zweifel, dass sein Verhalten zum Unfall geführt hatte. Sie forderte acht Jahre Freiheitsstrafe. Zurechtweisungen der Kollegen zu seiner Fahrweise habe er nicht beachtet und auf Bitten, doch langsamer zu fahren, sei er nicht eingegangen.

Angebote der Kollegen, das Steuer zu übernehmen, habe er ausgeschlagen. Er habe Überlegenheit demonstrieren und sich selbst etwas beweisen wollen, sagte die Staatsanwältin.

Verteidigung plädiert auf fahrlässige Tötung

Die Verteidigung dagegen plädierte auf fahrlässige Tötung und forderte eine bedingte oder zum Teil bedingte Strafe. Der Angeklagte sei davon ausgegangen, die Sache im Griff zu haben, begründete der Anwalt seine Anträge. Junge Erwachsene beurteilten Risiken anders.

"Er wird immer mit dieser Schuld leben", sagte er über seinen heute 21-jährigen Mandanten. Er sei sich des tödlichen Ausgangs des Dramas nicht bewusst gewesen. Der Angeklagte selber konnte sich an den Unfall nicht erinnern.

Die Stimmung während der Gerichtsverhandlung war gedrückt. Besonders bewegend war, als die Mutter eines der Verstorbenen im überfüllten Gerichtssaal aussagte. Sie sei wütend, sagte sie und berichtete über ihren Kampf, mit der Trauer fertig zu werden. Das Urteil soll am Donnerstag eröffnet werden. (sda)


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