Barcelonas Krieg gegen Airbnb

TOURISMUS ⋅ Die beliebte spanische Metropole kämpft gegen illegale Vermietungen. Neben Bussen gegen Vermietungsplattformen will die Stadt auch die Gäste selbst in die Pflicht nehmen.

28. November 2016, 08:36

«Wir wollen keine Touristenapartments» prangt auf Transparenten, die an Fenstern und Balkonen von Einheimischen in Barcelonas Altstadt hängen. Und: «Urlauber, bleibt in den Hotels. Die Apartments sind zum Wohnen gedacht.» Auch auf Bürgersteige wurden feindliche Sprüche gesprüht. «Der Tourismus tötet unser Viertel.»

Die nordspanische Metropole Barcelona, meistbesuchte Stadt Spaniens, wird dieses Jahr buchstäblich von ausländischen Touristenkarawanen gestürmt. So sehr, dass Bürgerinitiativen begonnen haben, die Auswüchse des Massentourismus zu bekämpfen, weil er die Bevölkerung zunehmend aus den Altstadtvierteln verdrängt. Bürgermeisterin Ada Colau warnt schon davor, dass die Millionenstadt «Gefahr läuft, in einer neuen Immobilienblase zu versinken».

600 000 Euro Busse für Airbnb

Mit Touristenwohnungen, die kommerziell und tageweise vermietet werden, lässt sich sehr viel mehr Geld verdienen als mit der normalen Langzeitvermietung. Alteingesessene Geschäfte werden durch Andenkenläden und Touristenrestaurants verdrängt. Immobilienspekulation und Mietpreiswucher sorgen dafür, dass immer mehr Einheimische wegziehen müssen. Nun machte Bürgermeisterin Colau einen Aufsehen erregenden Schritt, um die unerwünschte Entwicklung in den Griff zu bekommen: Sie bestrafte die grossen Vermietungsplattformen Airbnb und Homeaway mit jeweils 600 000 Euro, weil diese Portale nach Erkenntnis des Rathauses auch viele illegale Touristenwohnungen vermarkten.

Mit dieser Kriegserklärung wird Barcelona zum europäischen Vorreiter im Kampf gegen den Wildwuchs von Vermietungsgeschäften via Internet. Airbnb wie Homeaway wollen freilich die Sanktionen anfechten, weil aus ihrer Sicht die Privatanbieter für die Erfüllung aller Normen verantwortlich sind.

Laut örtlichem Gesetz müssen alle Apartments, die nicht nur gelegentlich an Touristen vermietet werden, angemeldet werden. Dies geht aber nur, wenn bestimmte Qualitätsstandards und Reklamationsrechte garantiert werden. Wohnungsbesitzer, die illegal vermieten, müssen mit Strafen von 30 000 Euro rechnen. Nach Angaben der Stadtverwaltung Barcelonas wurden bisher bei Inspektionen im Internet allein bei Airbnb und Home­away rund 5500 illegale Touristen­absteigen entdeckt.

«Sehen Sie gegebenenfalls von einer Buchung ab»

«Es ist nicht hinnehmbar, dass hier Tausende Wohnungen ohne Erlaubnis angeboten werden und dafür auch keine Steuern gezahlt werden», wetterte Colau. Bereits im Sommer waren die Vermittlungsplattformen verwarnt worden. Nachdem sich nach Meinung der lokalen Behörden nicht viel an den Praktiken änderte, machte Colau nun Ernst mit ihrer Strafankündigung und verhängte empfindliche Sanktionen.

Per Medienkampagnen, soziale Netzwerke und Rundbriefe werden inzwischen auch die Einheimischen aufgefordert, nicht registrierte Touristenwohnungen bei den Behörden anzuzeigen. Den Touristen wird derweil vom Rathaus empfohlen: «Überprüfen Sie bitte vor dem Buchen einer Ferienwohnung, ob sie legal ist oder nicht. Sehen Sie gegebenenfalls von einer Buchung ab, um den Missbrauch zu bekämpfen.»

Ralph Schulze/Madrid


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