Copilot löste den Sinkflug bewusst aus

FLUGZEUGABSTURZ ⋅ Eine erste Auswertung des zweiten Flugschreibers hat bestätigt, dass der Copilot das Germanwings-Flugzeug bewusst in den Sinkflug brachte. Der Autopilot wurde von dem Anwesenden im Cockpit so eingestellt worden, dass die Maschine auf 100 Fuss sinkt.

03. April 2015, 22:10

Nach der Germanwings-Katastrophe gibt es kaum noch Zweifel, dass der Copilot das Flugzeug absichtlich zum Absturz brachte. Eine Auswertung der zweiten Blackbox ergab laut der französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA, dass der 27-Jährige im Autopiloten einen Sinkflug auf eine Höhe von rund 30 Meter einstellte und die sinkende Maschine mehrfach beschleunigte.

Die zweite Blackbox - der Flugdatenschreiber - war am Donnerstag nach zehntägiger fieberhafte Suche am Absturzort am Hang in den französischen Alpen gefunden worden, an dem die Maschine zerschellt war.

«Ein erstes Auslesen ergibt, dass der im Cockpit anwesende Pilot den Autopiloten benutzt hat, um einen Sinkflug des Flugzeugs auf eine Höhe von 100 Fuss (rund 30 Meter) einzuleiten», erklärte die BEA am Freitag. «Dann hat der Pilot während des Sinkflugs wiederholt die Einstellung des Autopiloten verändert, um die Geschwindigkeit des sinkenden Flugzeugs zu beschleunigen.»

Bereits am Donnerstag hatte der ermittelnde Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, gesagt, der 27-Jährige habe in den letzten Minuten des Flugs «mehrfach» verhindert, dass ein Alarm ausgelöst werde, der eine zu hohe Geschwindigkeit des Flugzeugs anzeigt.

Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Staatsanwalt Robin kam bereits zwei Tage nach dem Unglück zu dem Schluss, dass der Copilot die Maschine vermutlich absichtlich abstürzen liess. Er stützte sich dabei auf die Auswertung des am Tag der Katastrophe geborgenen Stimmenrekorders der Maschine. Zu hören ist demnach unter anderem, dass der Copilot den Flugkapitän in den Minuten vor dem Absturz aus dem Cockpit ausgesperrt hatte.

Am Unglücksort wurden zudem 42 «sehr beschädigte» Handys gefunden, sagte Robin. Die Möglichkeit einer Auswertung bewertete der Staatsanwalt «skeptisch». Mehrere Medien hatten über ein Handy-Video mit den letzten Augenblicken an Bord der Maschine berichtet.

Schnell wurde auch bekannt, dass der Copilot bereits wegen schwerer psychischer Probleme mit Suizidgefahr behandelt worden war. Am Donnerstag dann erklärte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, dass der Mann sich in den Tagen vor dem Absturz im Internet über Möglichkeiten informiert habe, sich das Leben zu nehmen.

Die deutschen Ermittler konnten auf dem Tablet-Computer des Copiloten den Browserverlauf für die Woche vor dem Absturz auswerten. Der 27-jährige Deutsche recherchierte demnach zum einen nach medizinischen Behandlungsmöglichkeiten.

Zum anderen informierte er sich über Arten des Suizids und Umsetzungsmöglichkeiten. An «mindestens einem Tag» habe er sich auch über mehrere Minuten mit Cockpit-Türen und deren Sicherheitsvorkehrungen beschäftigt.

Bei der Identifizierung der Opfer gab es unterdessen Fortschritte. Laut Staatsanwalt Robin konnten inzwischen 150 verschiedene DNA-Profile aus den 2285 DNA-Proben von der Absturzstelle isoliert werden. Die DNA-Profile müssten nun noch mit Proben abgeglichen werden, die die Familien übergeben hätten.

In Deutschland wollen Politik und Luftfahrtbranche nun über Lehren aus dem Absturz beraten. Eine entsprechende Arbeitsgruppe soll nach Ostern starten. Die Experten sollen unter anderem über mögliche Veränderungen der Regeln zur festen Verriegelung der Cockpittüren beraten.

Innenminister Thomas de Maizière schlug zudem die Einführung einer Ausweispflicht an Flughäfen vor. Die Airlines sollten auch bei Flügen im Schengen-Raum die Identität ihrer Passagiere überprüfen, sagte er. Sonst bleibe unter Umständen unklar, wer tatsächlich im Flugzeug sitze.

(sda/dpa)


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