Copilot war wegen Suizidgefahr in Behandlung

DÜSSELDORF ⋅ Der Copilot des Germanwings-Flugzeugs war früher wegen Suizidgefahr in Behandlung. In jüngster Zeit hätten Ärzte aber weder eine Suizidgefahr noch ein Risiko für Angriffe auf andere Personen festgestellt.

30. März 2015, 17:23

Die psychotherapeutische Behandlung betreffe einen längeren Zeitraum bevor der junge Mann seinen Pilotenschein gemacht habe, teilten die Ermittler am Montag in Düsseldorf mit.

«Im Folgezeitraum und bis zuletzt haben weitere Arztbesuche bei Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie mit Krankschreibungen stattgefunden, ohne dass Suizidalität oder Fremdaggressivität attestiert worden ist», erklärte die Staatsanwaltschaft.

Ärztliche Dokumente über eine organische Erkrankung seien nicht gefunden worden. Dies gelte auch für die angeblichen Augenprobleme, über die Medien berichtet hatten.

Der 27-jährige Copilot steht unter Verdacht, am Dienstag letzter Woche einen Airbus in den französischen Alpen zum Absturz gebracht und 149 Menschen mit in den Tod gerissen zu haben.

Bei den Ermittlungen fanden die Staatsanwälte nach eigenen Angaben bislang weder im persönlichen und familiären Umfeld von Andreas L. noch an seinem Arbeitsplatz Hinweise auf ein Motiv. Auch fehlten weiter eine Ankündigung für die Tat oder ein Bekennerschreiben.

Ausdrücklich betonte die Staatsanwaltschaft, dass sie sich nicht an Spekulationen zur Motivlage des Copiloten beteiligen wolle und könne. «Die Ermittlungsbehörden haben sich allein an Fakten zu halten.»

Lufthansa äussert sich nicht inhaltlich

Die Lufthansa äussert sich nicht inhaltlich. «Wir haben die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis genommen. Zu Erkenntnissen über eine psychotherapeutische Behandlung oder etwaige Arztbesuche können wir uns nicht äussern», sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft am Montag in Frankfurt. Die ärztliche Schweigepflicht gelte auch gegenüber dem Arbeitgeber.

Die Lufthansa-Sprecherin bekräftigte, Piloten würden vor Erteilung der Lizenz einem Gesundheitscheck unterzogen. Diese flugmedizinische Tauglichkeitsprüfung werde alle zwölf Monate wiederholt. Dabei werde auch auf mentale Auffälligkeiten geachtet.

Bei der Düsseldorfer Polizei bemüht sich unterdessen die «Sonderkommission Alpen» weiter mit Hochdruck um die Aufklärung des Flugzeugabsturzes. Etwa 100 Beamte seien derzeit ausschliesslich mit der Identifizierung der Opfer und den weiteren Ermittlungen in dem Fall beschäftigt, teilte die Behörde mit. Gemeinsam mit Seelsorgern besuchten sie die Wohnungen der Opfer in Nordrhein-Westfalen, um DNA-Spuren und Fingerabdrücke sicherzustellen.

Neue Strasse soll Bergung beschleunigen

Die französischen Behörden bemühten sich unterdessen mit schwerem Gerät, eine Strasse in die Nähe der abgelegenen Absturzstelle in den Alpen zu bauen. So soll die Bergung der Leichenteile beschleunigt werden.

Die Arbeiten würden vermutlich bis Dienstag oder Mittwoch abgeschlossen sein, sagte der Sprecher der Gendarmerie, Xavier Vialenc. «Damit werden wir Zeit sparen», erklärte er. Bisher seien DNA-Spuren von 78 Opfern entdeckt worden.

Bisher müssen die Bergungshelfer von der Gendarmerie mit Helikoptern zur Absturzstelle gebracht werden. Die Hänge dort sind so steil, dass sie nur angeseilt arbeiten können. Schlechtes Wetter schränkt die Helikopterflüge ein.

Die Helfer suchen ausserdem nach dem zweiten Flugschreiber, der die technischen Daten des Fluges aufzeichnet. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse beziehen sich auf die Auswertung des Stimmenrekorders aus dem Cockpit.

sda


Login


 

Anzeige: